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Wer kennt ihn nicht, diesen Spruch: Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr. Da mag etwas Wahres dran sein, doch wenn man genauer hinhört, dann ist auch das Thema "Eltern werden" ein nicht ganz so leichtes.


Unfruchtbarkeit, künstliche Befruchtung, Pflegekinder, Fehlgeburt, Sternenkinder, Eileiterschwangerschaften…… es gibt viele Hürden auf dem Weg zum Wunschkind.

Wir möchten mit dieser Serie ein paar Schwierigkeiten und Herausforderungen näher betrachten – dabei schauen wir weniger auf die medizinischen Aspekte, sondern auf die Gefühlslage. Denn egal ob der Schwangerschaftstest monatelang negativ ist, ob der Wunsch nach einem zweiten Kind unerfüllt bleibt oder ob ein Baby still geboren wird: Diese Situationen versetzen Paare in einen Ausnahmezustand und damit eine Beziehung diese Herausforderung meistert, ist manchmal professionelle Hilfe wichtig.

 

Inhaltsverzeichnis

Teil 1: Wenn der Wunsch nach einem (zweiten) Kind unerfüllt bleibt

Teil 2: Fehlgeburt - und was jetzt?

Teil 3: Das Regenbogenbaby?

Teil 4: Künstliche Befruchtung, Adoption & Pflegekind

Teil 1: Wenn der Wunsch nach einem (zweiten) Kind unerfüllt bleibt

Nach dem ersten Kind ist es für viele Paare selbstverständlich, auch noch weitere Kinder bekommen zu können. Dass es ausgerechnet nach dem ersten Kind zu Problemen kommen könnte, kommt vielen Paaren nicht in den Sinn. So auch bei Julia*, die vor vier Jahren im Alter von 35 ihren Sohn Luis bekam. Sie wurde schnell schwanger, die Schwangerschaft verlief problemlos und nach zwei Jahren war klar, dass Luis noch ein Geschwisterchen bekommen sollte. Doch auch zwei Jahre nach dem Wunsch, bleibt die Schwangerschaft aus.

Sekundäre Sterilität, also der unerfüllte Kinderwunsch beim zweiten Kind, ist nicht selten. Eine häufige Ursache ist das Alter: Die Fruchtbarkeit sinkt mit zunehmendem Alter und so kann es tatsächlich vorkommen, dass die Unfruchtbarkeit erst beim zweiten Kind zum Thema wird. Aber auch die Spermienqualität nimmt ab und kann die Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch sein.

Kinderwunsch so stark wie beim ersten Baby

Als sich Julia ihrem engsten Umfeld mit ihrem Problem anvertraute, stieß sie häufig auf Unverständnis. Schließlich hätte sie ja schon ein gesundes Kind und soll dafür dankbar sein. Manche Frauen hätten nicht einmal ein Kind – so der O-Ton.

Julia leidet – aber scheinbar scheint sie niemand zu verstehen. Stattdessen wurden ihr die vermeintlichen Vorzüge präsentiert: Luis wird immer älter, schläft schon fast durch, sie könne wieder voll im Berufsleben durchstarten und das nicht nur Teilzeit – und überhaupt sei mit einem Kind einfach alles leichter. Warum also noch einmal von vorne anfangen? Jetzt, wo Luis schon vier Jahre alt ist.

Paare mit sekundärer Sterilität werden in der Gesellschaft anders wahrgenommen: Statt ihren Wunsch und ihre Sehnsucht nach einem weiteren Kind anzunehmen und zu akzeptieren, werden sie zur Demut und zur Dankbarkeit ermahnt. Sie sollten doch ….. und müssten schon…..

Und dann gibt es noch die andere Seite der Medaille: Je älter Luis wurde, desto öfter wurde Julia – auch von fremden Personen – nach dem zweiten Kind gefragt. „Na, wann ist es denn wieder so weit? Ihr wollt doch eh noch ein Kind, oder?“ Jedes Mal waren diese Fragen ein Stich ins Herz. Ja, Julia hätte gerne noch ein Kind gehabt, aber es wollte einfach nicht klappen. Erst da wurde ihr bewusst, wie unsensibel eigentlich die Frage nach der Familienplanung anderer Paare ist.

Herausforderung für die Beziehung

Auch zwischen Julia und ihrem Mann wurde es schwieriger: Es drehte sich alles nur noch um dieses zweite Kind: Ob beim Sex oder beim Gesprächsthema beim Abendessen – das Wunschbaby war überall präsent. Jeder Monat mit einem negativen Schwangerschaftstest erhöhte den Stress und die Frustration. Der Zyklus wurde beobachtet, Temperatur gemessen, die Ernährung umgestellt, alternative Methoden probiert, der Sex geplant und der Leidensdruck immer größer.

Experten sprechen in diesem Fall von einer existenziellen Krise. Ein unerfüllter Kinderwunsch kann Paare in eine Beziehungskrise stürzen, die eine professionelle Begleitung braucht.

Wir haben mit Psychotherapeutin Mag. Julia Asimakis über dieses schwierige Thema gesprochen:

Wie unterscheidet sich der Kinderwunsch vom ersten zum zweiten Kind?

Für Paare, die schon ein Kind haben und sich ein zweites wünschen, kann sich der unerfüllte Kinderwunsch genauso anfühlen wie es Paare bei einem ersten intensiven Kinderwunsch ohne Erfolg erleben.

Manchmal ist es für diese Paare sogar schwerer: Verwandte, Freunde und Ärzte trösten mit den Worten: "Seid doch glücklich, ihr habt zumindest ein Kind" oder "seid froh, dass ihr ein gesundes Kind habt!". Von außen wird der Wunsch nach einem zweiten Kind als weniger schmerzlich angesehen. Vor allem Paare, die reproduktionsmedizinische Hilfe in Anspruch genommen haben, beschreiben, dass sie nun doch wirklich schon zufrieden sein könnten, dass es mit dem ersten Kind geklappt hat: Warum reicht ihnen das eine Kind nicht?

Dabei kommt es bei einem längere Zeit unerfüllten Kinderwunsch genauso zum Wechselbad der Gefühle: Ein Hoffen auf eine weitere Schwangerschaft, Enttäuschung wenn die Menstruation kommt, Versagensgefühle von beiden Partnern, Wut und Neid auf andere 2-Kind-Familien, Frustration und Scham.

In der Praxis erzählen mir Paare, dass sie sich Anderen gegenüber schämen, dass sie an ihrem Wunsch nach einem zweiten Kind festhalten, und darunter sehr leiden. Familie wird durch das Fehlen eines zweiten Kindes unvollständig erlebt. Ein leerstehendes zweites Kinderzimmer oder Kindersachen, die für das zweite Kind aufbehalten werden, können immer wieder den schmerzlichen Eindruck einer Lücke im inneren Erleben hinterlassen. Paare sehen sich zudem mit Trauergefühlen konfrontiert, die Erfahrung von Schwangerschaft und Geburt nicht wiederholen zu können bzw. die Vorstellung über die ideale Größe einer Familie womöglich loslassen zu müssen. Mit diesen Gefühlen scheuen sich gerade diese Paare psychologische Begleitung  anzunehmen, weil sie sich undankbar erleben, und Angst davor haben als zu anspruchsvoll angesehen zu werden.

Und dann sind da auch noch die Schuldgefühle gegenüber dem bereits geborenen Kind. In vielen Eltern kommt das Gefühl hoch, sie würden sich nur mehr mit dem Kinderwunsch beschäftigen und geben ihrem Kind vielleicht weniger Aufmerksamkeit als wenn es keinen weiteren Kinderwunsch gäbe. Entwicklungsschritte des ersten Kindes können bei Eltern mit weiterem bisher unerfüllten Kinderwunsch von einer Trauer begleitet sein, dass sie dies nicht noch einmal mit einem weiteren Kind erleben werden können.

Der Kinderwunsch nach einem zweiten Kind kann also genauso stark oder stärker sein wie beim ersten Kind. Vor allem wenn beim ersten Kind alles gut und ohne großen Schwierigkeiten geklappt hat. Es wird manchmal bei einem zweiten Kind viel mehr nachgedacht: Welcher Abstand ist gut für das erste Kind? Wann wäre ein guter Zeitpunkt, zum Beispiel um Berufliches und Kinderbetreuung gut vereinbaren zu können? Wie war es in der eigenen Familie? Bei älteren Eltern kommt häufig auch der Gedanke, dass ein Geschwisterchen gut ist, da das erste Kind sonst niemanden hat.

Wie gehen Männer und Frauen mit dem Thema „unerfüllter Kinderwunsch“ um?

Ein über längere Zeit unerfüllter Kinderwunsch kann sehr belastend für Männer und Frauen, für die Paarbeziehung und Sexualität aber auch für das schon vorhandene Kind sein. Es können Stressreaktionen ausgelöst, Lebensziele in Fragen gestellt und persönliche Ressourcen beansprucht werden. Manchmal tauchen auch ungelöste Konflikte aus der Vergangenheit auf.

Gehen Frauen anders mit dem Thema um? In die Praxis kommen in den meisten Fällen Frauen zuerst und ich lade dann die Männer und bei Bedarf auch manchmal die Kinder mit ein. Aus meiner Sicht leiden immer beide Partner an einem sehnlichen und unerfüllten Kinderwunsch. Meist rücken die Paare durch einen Kinderwunsch näher zusammen. Es sind aber sowohl die Gefühle und Empfindungen oft unterschiedlich, als auch die Bewältigungsstrategien. Oft ist der Kinderwunsch nicht gleich stark und dadurch die Frustrationstoleranz unterschiedlich. Versagensgefühle sind meist bei beiden vorherrschend und Gesprächsthema. Bei reproduktionsmedizinischen Maßnahmen sind es oft die Frauen, die sehr viel durchmachen um sich und dem Partner den Kinderwunsch zu erfüllen. Durch die vielen (oft belastenden) Schritte am Weg zum Wunschkind kann es zu Depressivität und höherer Ängstlichkeit kommen. Männer sind in dieser Zeit meist sehr unterstützend, was dazu führen kann, dass sie ihr eigenes Bedürfnis nach Unterstützung nicht so gut wahrnehmen können.

Was noch hinzukommt: Viele Eltern fühlen sich hin- und hergerissen zwischen dem Kinderwunsch und ihrer Verantwortung gegenüber dem ersten Kind. Kinder haben ein gutes Gespür wie es ihren Eltern geht. Es kann sehr verwirrend sein wenn Kinder mitbekommen, dass es den Eltern nicht gut geht und sie den Grund dafür nicht kennen. Manchmal sehen sich Kinder selbst als Ursache des Leides ihrer Eltern. Darum ist es den Paaren oft sehr wichtig, wie es ihren Kindern mit den Eltern geht. Kinder brauchen keine Details über die emotionalen Herausforderungen, oder, im Fall einer Behandlung, genaue Informationen darüber. Meist ist es ausreichend, dass sie wissen, dass sich die Eltern noch ein weiteres Kind wünschen und sie traurig darüber sind, dass es noch nicht geklappt hat.

Wie können Paare noch immer ein Paar bleiben und nicht nur den Kinderwunsch in den Mittelpunkt rücken?

Häufig stehen Gefühle wie Enttäuschung, Trauer und Kontrollverlust im Mittelpunkt eines Paares mit unerfülltem Kinderwunsch. Selbstverständliche Dinge im Alltag des Paares bzw. der Familie und Aktivitäten, die früher Spaß gemacht haben, machen keine Freude mehr. Viele ziehen sich von ihrem sozialen Umfeld zurück.

Einige Paare entwickeln mit der Zeit ein übermäßiges Kontrollbedürfnis, das ihnen jegliche Spontanität zB mit ihrem ersten Kind oder in der Sexualität nimmt. Manche fahren gar nicht mehr auf Urlaub oder richten ihre Leben nach den Eisprüngen aus.

Wichtig ist aus meiner Sicht also, dass Paare Sexualität nicht nur zwecks Fortpflanzung leben können, und sie ihren Alltag nicht nur der Erfüllung des Kinderwunsches unterordnen. Es macht auch Sinn über die Möglichkeit der Nichterfüllung des Wunsches zu sprechen, und welche anderen Lebensziele dann aufgrund der kürzeren "Erziehungszeit" mit dem ersten Kind in den Vordergrund rücken können. Wichtig ist es auch die Freude an der Entwicklung des ersten Kindes zu erhalten!

Mag.a Julia Asimakis begleitet Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, Frauen mit Themen rund um Schwangerschaft und Geburt sowie Eltern mit ihren Babys und Kleinkindern bei Schrei-, Schlaf- und Fütterproblemen. Mehr dazu auf ihrer Webseite www.elternberatung.wien

Im Nanaya gibt es für betroffene Eltern die "Kontaktgruppe Kinderwunsch" - eine offene Gruppe für Frauen mit Kinderwunsch.


 

Teil 2: Fehlgeburt - und was jetzt?

So häufig laut Statistiken Fehlgeburten auch vorkommen (etwa jede dritte Schwangerschaft), so traumatisch ist die Erfahrung für die Eltern. Nicht nur die eigene Trauer, die Verzweiflung und die Hilflosigkeit machen Paaren zu schaffen, auch das häufige Unverständnis durch ihr Umfeld erschwert die Situation. Wer möchte denn wirklich hören „Ach sei doch froh, ihr habt doch schon ein gesundes Kind“ oder „Nächstes Mal wird es schon klappen“ – doch genau diese Sprüche, die vermeintlich Trost spenden sollen, verletzen und sind unpassend.

Vielen Paaren fällt es schwer, dieses Ereignis zu verarbeiten – und dennoch wird viel zu selten darüber gesprochen. Weil so wenig darüber gesprochen wird, kommt es häufig zu Streit in der Beziehung, denn Frauen und Männer verarbeiten den Verlust eines Kindes anders.

 

Wir haben mit Petra Hainz vom Nanaya gesprochen und sie gefragt, wie Paare am besten mit der Fehlgeburt eines Kindes umgehen können:

Welche Gefühle löst eine Fehlgeburt bei den Eltern aus? Empfinden Frauen und Männer eine Fehlgeburt anders?

Die Gefühle der Eltern sind sehr unterschiedlich und hängen davon ab, wie sehr sie sich mit ihrem Baby im Bauch verbunden gefühlt haben.

Die meisten schwangeren Frauen bauen schon sehr früh eine Verbindung zu ihrem Baby auf, weil sie sein Dasein durch Spannungen in der Brust, Müdigkeit, bestimmte Gelüste, Übelkeit und ähnliche körperliche Veränderungen spüren. Sie nehmen das Ungeborene als reale Person wahr und trauern, wenn es stirbt, um ihr Kind. Zu der Trauer kommt die Enttäuschung: Viele Mütter verlieren durch eine Fehlgeburt das Vertrauen in den eigenen Körper, der dieses Baby nicht halten konnte.

Für die meisten Partner (oder Partnerinnen) ist das Baby in den ersten Wochen und Monaten der Schwangerschaft noch nicht real. Eine Fehlgeburt löst deswegen oft andere Gefühle aus: Nicht die Trauer um dieses konkrete Kind steht im Vordergrund, sondern die Enttäuschung darüber, dass das, was hätte sein können, wie eine Seifenblase zerplatzt ist.

Je weiter die Schwangerschaft voranschreitet, umso mehr gleichen sich diese Gefühle an. Wenn der Partner die Bewegungen des ungeborenen Babys spürt, wenn er bei der Geburt dabei ist, wenn er sein Baby sieht und berührt, dann verstärkt das die Bindung.

Was tun bei Schuldgefühlen bzw. Vorwürfen?

Schuldgefühle und Selbstvorwürfe sind nach einer Fehlgeburt typisch und gehören zum Trauerprozess dazu. Das Gefühl der betroffenen Mütter, dass ihr Körper versagt hat und ihr Baby nicht schützen konnte, ist gleichzeitig ein Versuch, eine Erklärung zu finden. Denn natürlich fragen sich die Betroffenen: „Warum? Warum ich? Warum mein Baby?“

Das Wichtigste ist, dass diese Schuldgefühle ausgesprochen werden dürfen,  ihren Platz bekommen und nicht unterdrückt bzw. tabuisiert werden. Nur so ist es möglich, sie irgendwann zu überwinden. Erst wenn die Eltern akzeptieren, dass es keine Antwort auf das „Warum?“ gibt – erst dann können sie mit der eigentlichen Trauerarbeit beginnen.

Was raten Sie Paaren für ihre Beziehung nach einer Fehlgeburt?

Wichtig ist, als Paar im Gespräch zu bleiben und die Unterschiedlichkeit der Trauer nicht zu bewerten. Beim Trauern gibt es kein Richtig oder Falsch. Jeder und jede hat das Recht, so zu trauern, wie es dem eigenen Wesen entspricht. Das darf am Anfang auch ein Verdrängen sein, um sich zu schützen.

Leider gehen viele Partnerschaften nach dem Tod des gemeinsamen Kindes in die Brüche, weil die Belastung zu groß ist oder sich herausstellt, dass die Werte und Herangehensweisen zu unterschiedlich sind. Wenn aber beide Partner es schaffen, ihre Trauer anzuerkennen und ihrem verstorbenen Baby einen Platz geben, dann kann die Beziehung durch diese Krisensituation sogar reifen und tiefer werden.

Wie können Geschwisterkinder über den Verlust aufgeklärt werden?

Geschwisterkinder werden oft vom Trauerprozess ausgeschlossen, um sie vor dieser traurigen Erfahrung zu schützen. Dabei spüren Geschwister ohnehin, dass ihre Eltern traurig sind. Wird ihnen der Grund dafür nicht erklärt, neigen Kinder dazu, ihn bei sich zu suchen. Das sollte unbedingt vermieden werden.

Geschwisterkinder haben ein Recht darauf, zu erfahren, dass sie große Schwester/großer Bruder geworden sind. Für die meisten Kinder gehört ein verstorbenes Baby, auch wenn sie es nie richtig kennengelernt haben, voll und ganz zur Familie dazu. Viele zeichnen das Baby in Familienbildern und zählen es bei der Anzahl ihrer Geschwister mit. Das ist ein gesundes und normales Verhalten und sollte unterstützt werden. Durch Rituale wie Kerzen anzünden, Luftballons steigen lassen oder Blumen pflanzen können Geschwister gut in die Trauerverarbeitung eingebunden werden. Die meisten Kinder werden mit viel Eifer dabei sein.

Das Allerwichtigste aber ist Offenheit. Ist das verstorbene Baby in der Familie kein Tabu, wird jedes Kind früher oder später Fragen stellen, die dann kindgerecht beantwortet werden können. Dabei unterstützen gute Kinderbücher wie „Himmelskind“, „Lauras Stern“ oder „Abschied von der kleinen Raupe“.

Wie wichtig ist ein Abschiedsritual und welche gibt es?

Rituale sind wichtig und hilfreich, um etwas begreifbar zu machen, das kaum zu begreifen ist. Die richtige Reihenfolge ist aber entscheidend: Um sich vom Baby verabschieden zu können, muss man es zuerst begrüßt haben.

Begrüßungsrituale bei der Geburt sind z.B. Anziehen, Streicheln, Baden und Fotos machen. Mit dem verstorbenen Baby sollte ebenso behutsam umgegangen werden wie mit einem lebenden. Die Eltern und ggf. auch die Geschwister oder andere Angehörige sollten so viel Zeit mit ihrem Baby verbringen können, wie sie möchten.

Konnte das Baby bei der Geburt nicht begrüßt werden, ist es möglich, Begrüßungsrituale nachzuholen. Das Malen eines Bildes, das Gestalten einer Skulptur, das Schreiben eines Briefes oder das Gestalten eines Erinnerungsalbums hilft dabei, ein Baby ins eigene Leben zu integrieren, das zu klein war, um es richtig kennenzulernen.

Besonders wichtig ist es, dass jedes verstorbene Baby einen Namen bekommt. Gibt es eine Bestätigung über die Schwangerschaft (z.B. den Mutter-Kind-Pass), ist eine Eintragung am Standesamt bereits für ganz kleine Sternenkinder möglich. Aber auch für noch kleinere Babys sollten Eltern und Angehörige einen Namen aussuchen. Damit wird ausgedrückt, dass auch sie unverwechselbare kleine Menschen waren.

Abschiedsrituale sind Rituale, die ausdrücken, dass trotz räumlicher und körperlicher Trennung eine Verbindung zum Baby bestehen bleibt. Besonders beliebt ist das Steigenlassen von Luftballons (auch gerne mit einem Brief an das Baby) und das regelmäßige Anzünden von Kerzen. Die Bestattung ist bei allen Babys, die geboren wurden, möglich, unabhängig von Geburtsgewicht und Schwangerschaftswoche.

Petra Hainz ist Lebens- und Sozialberaterin und arbeitet seit 12 Jahren im „Nanaya – Zentrum für Schwangerschaft, Geburt und Leben mit Kindern“ im 7. Wiener Gemeindebezirk. Sie ist Mutter dreier lebender und zweier verstorbener Kinder und setzt sich besonders für die Anliegen von Eltern sogenannter „Sternenkinder“ ein. In der Einzel- und Gruppenberatung unterstützt sie betroffene Mütter und Väter dabei, den Tod ihrer Babys zu verarbeiten und ihn ins eigene Leben zu integrieren.

Die Rechtslage in Österreich

Unter einer Fehlgeburt wird ein totgeborenes Kind mit einem Geburtsgewicht unter 500 Gramm verstanden, unabhängig von der Schwangerschaftswoche. Seit 1. April 2017 können Fehlgeburten gemeldet und amtlich dokumentiert werden. Das Standesamt stellt eine Bescheinigung für das fehlgeborene Kind und, falls gewünscht, auch eine entsprechende Urkunde aus.

Ab 500g spricht man von einer Totgeburt bzw. einer Stillgeburt, die am Standesamt gemeldet werden muss, einen Eintrag ins Sterberegister und eine Sterbeurkunde erhält.  Die Mutter hat Anspruch auf Wochenschutz. Ähnlich ist es, wenn ein Baby zwar unter 500g wiegt, aber lebend zur Welt kommt. Bereits bei einem Pulsieren der Nabelschur oder einem einzigen Atemzug spricht man von einer Lebendgeburt mit allen dazu gehörenden Rechten und Pflichten.

Bestattung:
Die Eltern können selbst entscheiden, wie und wo sie ihr still geborenes Kind bestatten lassen (Erd-, Feuer-, Natur-, Edelsteinbestattung). Unter 500g besteht ein Bestattungsrecht, ab 500g (oder bei einem lebend geborenen Kind) Bestattungspflicht. Wird die Bestattung nicht von den Eltern organisiert, übernimmt die Stadt Wien aus Pietätsgründen diese Aufgabe. Die tot geborenen Babys unter 500g werden zusammen kremiert und am Babygrabfeld des Zentralfriedhofs beigesetzt. Jedes tot geborene Kind ab 500g bekommt ein Einzelgrab für 10 Jahre.

Unterstützung

Im Zentrum Nanaya gibt es neben vielen Kursen und Vorträgen für werdende Eltern und junge Familien auch mehrere Angebote zum Thema „Sternenkinder“:

  • Vortrag „Ein Platz für das verstorbene Baby“ für betroffene Eltern, Geschwistern, etc.
  • monatliche Treffen der Selbsthilfegruppe Regenbogen, nur für betroffene Eltern
  • Rückbildungskurs: Geschlossene Gruppe für Frauen, deren Baby gestorben ist
  • „Verbunden für immer“: geleitete Gesprächsgruppe für Mütter und Väter von Sternenkindern
  • Einzelberatung und Begleitung von Frauen oder Paaren nach Fehlgeburt, Abtreibung, stiller Geburt oder Neugeborenentod sowie im Schwangerschaftskonflikt nach pränataler Diagnostik nach telefonischer Vereinbarung

Tag der Sternenkinder

Jährlich findet der Tag der Sternenkinder am 15. Oktober statt. Es ist der Tag, an dem allen Kindern gedacht wird, die während der Schwangerschaft oder bei der Geburt starben. Um 19 Uhr Ortszeit wird für diese Kinder eine Kerze entzunden.

 


Teil 3: Das Regenbogenbaby

Folgeschwangerschaft nach einer Fehlgeburt: Dieses Mal wird es klappen!

Eine Fehlgeburt ist ein trauriges Ereignis – die Hoffnung auf eine intakte Schwangerschaft und auf die Erfüllung des Kinderwunsches, bleibt. Viele Paare stellen sich daher die Frage, wann sie nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden können.

Wir haben Prim. Dr. Andreas Brandstetter, Leiter der Abteilung von Gynäkologie und Geburtshilfe im St. Josef Krankenhaus, zum Interview gebeten, um die wichtigsten Fragen zum Thema „Schwanger werden nach einer Fehlgeburt“ zu beantworten:

 

Wie lange sollten Paare nach einer Schwangerschaft warten? Die einen sagen schnell wieder, die anderen raten dazu, 3 Monate zu warten.

Die Meinungen gehen bei dieser Frage auseinander. Zu den Behandlungsmöglichkeiten bei einer Fehlgeburt zählt einerseits die Gabe von Medikamenten, damit der Fötus komplett ausgestoßen wird. In diesem Fall kann man bald nach der Geburt wieder versuchen, schwanger zu werden. Musste hingegen eine Kürettage (operative Entfernung) vorgenommen werden, ist es besser drei Monate zu warten, damit sich der Gebärmutterhals wieder komplett verschließen kann und für eine Folgeschwangerschaft stark genug ist.

Was können werdende Eltern tun, damit es dieses Mal klappt?

Grundsätzlich gibt es leider kein „Allerheilmittel“ bzw. „Supermittel“, das hilft, schwanger zu werden. Es gibt aber einige Punkte, die man beachten sollte. Kennt man den Grund für die Fehlgeburt, gilt es zunächst, die Ursache zu behandeln. War z. B. ein Mangel an Gelbkörperhormon für die Fehlgeburt verantwortlich, sollte man bei der nächsten Schwangerschaft dieses Hormon in Form von Tabletten zuführen. Bei einer Muttermundschwäche hilft eine Cerclage (Bändchen um den Gebärmutterhals), bei einer  Infektion eine regelmäßige Kontrolle des Scheidensekrets, und auch eine Schilddrüsenüber- oder Schilddrüsenunterfunktion lässt sich gut behandeln. In vielen Fällen ist der Grund für eine Fehlgeburt jedoch nicht bekannt. In diesen Fällen sollte man – wie generell bei jeder Schwangerschaft – versuchen, sich gesund und vitaminreich zu ernähren, Medikamente möglichst zu vermeiden, etc. Zum Schutz des Rückenmarks des Kindes sollte Folsäure schon präventiv vor Eintreten der Schwangerschaft eingenommen werden.

Welche Risiken und Ängste sind mit einer Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt verbunden?


Nach einer Fehlgeburt ist natürlich immer die Angst da, dass es wieder passieren kann, das ist ganz normal. Im St. Josef Krankenhaus bieten wir grundsätzlich bei einer Fehlgeburt eine psychologische Begleitung an, um eine adäquate Trauerarbeit leisten zu können. Kennt man die Ursachen für die Fehlgeburt, sollte man versuchen, die Ursache zu behandeln (siehe Frage 2). Oft ist jedoch auch eine Fehlgeburt ein natürliches Ereignis, das einfach passiert, ohne besondere Ursache und ohne dass es sich zwingend wiederholen muss.
Immerhin 6% aller Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt, wobei bis zu zwei Fehlgeburten pro Frau als normal gelten und aus medizinischer Sicht keine spezielle Behandlung benötigen. Erst ab drei Fehlgeburten spricht man von einem „abortus habitualis“, dessen Ursachen in Spezialambulanzen (z. B. im AKH Wien) abgeklärt werden müssen.

Das Regenbogenbaby

Babys, die nach einer Fehlgeburt gezeugt werden, werden Regenbogenbabys genannt – sie sind ein Zeichen der Hoffnung und ein starkes Zeichen, dass nach einem schlechten Wetter nun alles besser wird. Obwohl jede Schwangerschaft einmalig ist, ist ein Regenbogenbaby unter dem Herzen noch besonderer. Jeder Moment wird als ein Geschenk angesehen, aber auch von Sorgen und Ängsten begleitet. Es kommen Erinnerungen an die letzte Schwangerschaft hoch und damit auch die Konfrontation mit der eigenen Verletzlichkeit.

Herausforderungen bei einem Regenbogenbaby

Über die Herausforderungen und Besonderheiten bei einem Regenbogenbaby haben wir mit Autorin Angelika Markom gesprochen:

Mit welchen Herausforderungen haben Eltern mit einem Regenbogenbaby zu kämpfen?

Die ersten etwa zwölf Wochen der Schwangerschaft sind jene Zeit, in der die Gefahr einer Fehlgeburt deutlich höher ist als danach. Auch Frauen (bzw. Paare), die zum ersten Mal schwanger sind, empfinden diese Wochen manchmal als eine unangenehme Wartezeit. Eine Zeit, die vielfach noch abgewartet wird, bevor man Verwandten und Freunden von der Schwangerschaft erzählt.

Eltern, die bereits eine Fehlgeburt erlebt haben, sind auf diese Möglichkeit natürlich stärker sensibilisiert. Doch nicht für alle Frauen/Paare bedeutet dies, dass die nächste Schwangerschaft davon geprägt ist. Ob und wie stark die Angst vor einer neuerlichen Fehlgeburt ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Wer keine oder wenig Sorgen verspürt, tut gut daran, sich einfach darüber zu freuen und nicht von anders lautenden Einflüssen (wie etwa einem Artikel) verunsichern zu lassen.

Was kann Eltern in dieser Situation helfen?

Es liegt in der Natur des Menschen, sich Gedanken und oftmals auch Sorgen zu machen – vor allem, wenn man bereits belastende Erfahrungen mitbringt.

Ängste und alle anderen Gefühle, die auftauchen, sind zunächst einmal weder „gut“ noch „schlecht“. Wenn Sorgen aber dazu führen, dass Mütter oder Eltern in Distanz zum Baby gehen, dann tut das nicht gut. Weder den Eltern noch dem Baby.

Manchmal kann es helfen, nochmals zurückzuschauen. Hat das Sternenkind einen „guten Platz“ bekommen? Braucht es im Verabschieden noch etwas, damit sich die Eltern leichter dem Kind, das jetzt heranwächst, zuwenden können?

Oft empfinden die beiden Elternteile die Zeit der Schwangerschaft unterschiedlich – hier ist es hilfreich, wenn die Sorgen des anderen ernstgenommen und respektiert werden.
Wenn Ängste „übermächtig“ werden, kann eine Begleitung helfen.

Was raten Sie Eltern in der ersten „gefährlichen Zeit“?

Viele Frauen bzw. Paare neigen bei Sorgen um eine mögliche Fehlgeburt dazu, sich in den ersten Wochen der Schwangerschaft vom heranwachsenden Kind eher zu distanzieren. Sie möchten sich auf das Baby erst dann so richtig einlassen, wenn die „gefährliche Zeit“ vorbei ist.

Doch der Kontakt zum Kind ist für beide Seiten enorm wichtig – für die Mutter bzw. Eltern, aber auch für das Baby! Das Baby bekommt bereits von Beginn an die Gefühle vor allem der Mutter mit. Es macht jedoch einen Unterschied, ob die Mutter sich mit ihren Ängsten vom Kind abwendet oder zu ihm hinwendet. Wenn sie ihm von ihren Sorgen erzählt, verleiht sie damit auch ihrer starken Sehnsucht nach ihrem Kind Ausdruck. Außer mit dem Baby zu sprechen (leise oder noch besser laut) können die Eltern auch einen Spaziergang machen (der das Baby mit frischem Sauerstoff versorgt), ein warmes Bad für und mit dem Kind nehmen oder auf andere Weise jetzt schon für ihr Kind sorgen – symbolisch oder ganz real. Alles, womit die Mutter oder die Eltern in einen bewussten Kontakt mit dem Kind gehen, lässt die Beziehung wachsen. Und zudem bewirkt es, dass die Eltern die Zeit der Schwangerschaft besser genießen können.

Angelika Markom rät: Such Dir stärkende Bilder!

Gerade in schwierigen Schwangerschaften kann es unterstützend sein, sich stärkende Bilder zu suchen. Wenn sich die Mutter ihr Baby in seiner „gemütlichen Behausung“ vorstellt, kann sie etwa in ihrer Vorstellung die Gebärmutter mit Blütenblättern oder kuscheligen Decken gestalten. Sie bzw. die Eltern können sich auch andere ermutigende Visualisierungen oder Symbole für ihre Zuversicht suchen. Das kann ein schöner Platz in der Natur sein oder ein Glücksbringer, den das Elternpaar sich aussucht.

Günstig ist es, sich mit Ermutigendem zu „füttern“ und Beängstigendes möglichst beiseite zu lassen. Gerade das Internet beinhaltet hier viele Fallen. Die Frage „Möchte ich das wirklich wissen?“ dürfen sich Schwangere (und auch ihre Partner) immer wieder stellen.

Welche Begleitung gibt es für Eltern mit einem Regenbogenbaby?

Es ist für uns selbstverständlich, bei körperlichen Beschwerden zum Arzt/zur Ärztin zu gehen. Genauso selbstverständlich könnte es auch sein, uns in schwierigen Zeiten z.B. psychologisch begleiten zu lassen.

Für viele Eltern ist dies bei einer Fehlgeburt oder in der darauffolgenden Schwangerschaft hilfreich. Hier können z.B. Familienberatungsstellen (insbesondere solche mit einem Themenschwerpunkt Schwangerschaft und Geburt) oder Eltern-Kind-Zentren gut beraten und begleiten.

Im Nanaya finden Eltern mit einem Regenbogenbaby eine kompetente Anlaufstelle mit vielen verschiedenen Angeboten. Psychologin Angelika Markom hält hier demnächst (am 4. Juni) einen Vortrag zum Thema "Diesmal geht alles gut - zuversichtlich in die neue Schwangerschaft". Unter diesem Titel ist auch ihr Buch erschienen, das Mütter/Eltern mit belastenden Vorerfahrungen in und durch eine nächste Schwangerschaft begleitet.


 

Teil 4: Künstliche Befruchtung, Adoption & Pflegekind

Doch was, wenn es einfach nicht klappen möchte? Welche Alternativen gibt es dann? Paare mit einem unerfüllten Kinderwunsch können neben einer künstlichen Befruchtung auch eine Adoption oder die Betreuung eines Pflegekindes überlegen.

 

Die künstliche Befruchtung

Will es auf natürlichem Wege überhaupt nicht klappen, stehen Paaren mit Kinderwunsch heute eine Reihe medizinischer Möglichkeiten zur Verfügung. Ein Schlagwort: Die künstliche Befruchtung.

Die künstliche Befruchtung ist in diesem Kontext ein Überbegriff für verschiedene medizinische Methoden, etwa eine Insemination oder eine In-vitro-Fertilisation. Von Paar zu Paar wird gemeinsam mit einem Kinderwunschexperten abgewogen, welche Behandlung in Frage kommt.

Wir haben mit Gründer und Leiter Univ. Prof. Dr. Andreas Obruca sowie der langjährigen Psychotherapeutin Eveline Paula Leitl, MSc. vom Goldenen Kreuz zum Thema "Künstliche Befruchtung" geprochen:

Wann macht eine künstliche Befruchtung Sinn? Für wen ist sie geeignet?

Eine künstliche Befruchtung ist dann sinnvoll, sobald bestimmte medizinische Indikationen für die Behandlung vorliegen. Dies kann z.B. auf weiblicher Seite ein Verschluss bzw. eine Schädigung der Eileiter, die Hormonstörung "PCO-Syndrom" oder die Unterleibserkrankung Endometriose sein. Sollte das Spermiogramm (der Samenbefund) des Mannes auffällig in Anzahl, Beweglichkeit oder Ausformung der Samenzellen sein, ist ebenfalls eine künstliche Befruchtung (IVF) indiziert. Auch Paare die bereits erfolglos andere Behandlungsmöglichkeiten wie z.B. eine Insemination (Einspülen des aufbereiteten Samens in die Gebärmutter) durchgeführt haben profitieren von der IVF Behandlung. Für ältere Paare kann die künstliche Befruchtung durchaus auch sinnvoll sein, da man damit die Chancen auf eine Schwangerschaft verbessern kann.

Gibt es eine Altersobergrenze?

Um eine finanzielle Unterstützung des Österreichischen IVF-Fonds zu bekommen, ist eine Grenze von 40 Jahren bei der Frau und 50 Jahren beim Mann bzw. der Partnerin vorgesehen. Wird die Behandlung privat finanziert, gibt es rechtlich keine Altersobergrenze. Wir im Kinderwunschzentrum entscheiden jedoch ab ca. 45 Jahren in sehr starker Abhängigkeit von den Hormonbefunden der Frau und lehnen eine Behandlung ab 50 Jahren ab.

Wie hoch sind die Kosten bzw. werden diese von jemandem übernommen?

Wie bereits erwähnt gibt es für die künstliche Befruchtung eine teilweise Kostenübernahme vom IVF Fonds. Der IVF-Fonds übernimmt bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen 70% der Kosten für die Behandlung inkl. Medikamente für vier Versuche pro erzielter Schwangerschaft. Die restlichen 30% der Behandlungs- und Medikamentenkosten (=Selbstbehalt pro Versuch) hat das Paar selbst zu bezahlen. Die Höhe des Selbstbehalts ist abhängig vom Alter der Patientin und der Art der Behandlung, bewegt sich jedoch im Bereich von 900 € – 1.050 € pro Versuch. Übernimmt der Fonds die Kosten nicht, hat das Paar mit Kosten zwischen 3.000 - 4.000 € zu rechnen.

Welche Nebenwirkungen sind bei einer künstlichen Befruchtung möglich?

Wie bei jeden medizinischen Eingriff klären wir das Paar ausführlich über mögliche Nebenwirkungen auf. Vor allem bei jüngeren Frauen wären das zum Beispiel die Überstimulation der Eierstöcke. Auch über Risiken der vaginalen Follikelpunktion wie Blutungen oder Infektionen wird aufgeklärt. Der Verlauf der Schwangerschaften unterscheidet sich nicht von Spontanschwangerschaften gleich alter Frauen.

Wie können Paare mit Kinderwunsch ihre Chancen verbessern, damit es klappt?

Es gibt in der Kinderwunschbehandlung eine breite Palette an medizinischen Zusatzmethoden, die auf einzelne Probleme wie Befruchtungs- oder Einnistungsversagen eingehen und den Behandlungsverlauf dadurch optimieren können. Jedoch gibt es auch eine Vielzahl an Dingen, die die Patientin selbst tun kann! Der richtige Lebensstil ist in dieser Zeit entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung und den sorglosen Verlauf der Schwangerschaft. Deshalb ist es wichtig, „Fit fürs Wunschkind" zu sein – allgemeine Maßnahmen im täglichen Leben können Ihre Chancen erhöhen, schwanger zu werden. Dies betrifft natürlich eine gesunde, ausgewogene Ernährung, den kompletten Verzicht auf Rauchen und Alkohol, die Reduktion von Stress im Alltag und Förderung der Entspannung während der Behandlung sowie eine regelmäßige sportliche Betätigung mit moderater Anstrengung.

Mit welchen Ängsten sehen sich Paare vor einer künstlichen Befruchtung konfrontiert?

Die häufigsten Fragen mit denen sich Paare vor dem Beginn der Behandlung konfrontiert sehen, sind z.B.: Was erwartet mich bei IVF überhaupt? Habe ich mit Spätfolgen zu rechnen – schaden mir die Hormone? Wird auch nichts vertauscht? Wie reagieren andere darauf? Macht es einen Unterschied für das Kind? Was, wenn es (nie) erfolgreich ist?

Was tun, wenn die künstliche Befruchtung nicht klappt? Wie können Paare damit umgehen?

Einen Schritt nach dem anderen: Trauer zulassen. Sie ist die Lösung, nicht das Problem.  Auch muss man die unterschiedliche Verarbeitung – Frau – Mann – der Situation akzeptieren und das Gegenüber versuchen zu verstehen. Diese psychische Verletzung muss wie eine körperliche Verletzung betrachtet werden: vorübergehende Schonung ist angesagt, für sich selbst gut sorgen, auch (professionelle) Hilfe annehmen und schlussendlich sich der neuen – alten Realität ohne Kind stellen .

Tabuthema unerfüllter Kinderwunsch: Wie geht man damit um?

Hinaus aus der Tabuzone und hinein in die Intimzone. Jeder Mensch bestimmt für sich selbst worüber er mit wenigen, ausgesuchten Menschen sprechen will und worüber er nicht sprechen will oder muss. Hier können z.B. auch Bedingungen vorgegeben werden, wie Schweigeversprechen: „Wir – das Paar – bestimmen, ob und wann es wieder thematisiert wird." Wichtig ist außerdem zu wissen, dass die Behandlung unter Umständen zusätzliche Belastung bedeutet. Daher sollten Paare bereits im Vorfeld darauf achten, wo bestehende Belastungen reduziert werden können.

Was, wenn die Liebe unter dem unerfüllten Kinderwunsch leidet?

Je mehr Entscheidungen gemeinsam gefällt und getragen werden und das Bewusstsein vorhanden ist, dass der unerfüllte Kinderwunsch (wahrscheinlich) nur eine von mehreren Herausforderung im Laufe des Lebens ist, desto eher kann der gemeinsame Weg das Paar noch enger zusammenführen.

 

Alternative: Ein Pflegekind?

Aber nicht immer klappt es mit einer künstlichen Befruchtung – das bedeutet aber nicht, dass ein Paar kinderlos bleiben muss. Genauso kann ein Langzeit-Pflegekind in die Familie aufgenommen werden oder, wenn ein Paar noch gar keine leiblichen Kinder hat und gewisse Voraussetzungen erfüllt, kann es sich auf für eine Adoption bewerben.

Je nach Bundesland und aufgrund der großen Nachfrage kann es bei einer Inlandsadoption zu einer Wartezeit von bis zu drei Jahren kommen. Ein Pflegekind oder eine Auslandsadoption sind auch für jene Paare eine Option, die vergeblich auf ein zweites Kind warten. Besonders für Pflegekinder werden dringend Familien gesucht, die Kindern mit schweren Schicksalen ein zu Hause (auf Zeit) geben.

Unterschied zwischen Pflege und Adoption

Sowohl die Pflege, als auch die Adoption eines Kindes sind zwei Möglichkeiten, sich den Wunsch nach einem Kind zu erfüllen. Der große Unterschied liegt darin, dass bei einer Adoption das Adoptivkind auch gesetzlich dein Kind ist – mit allen Rechten und Pflichten. Bei einem Pflegekind ist das anders: Das Kind bleibt das rechtliche Kind der leiblichen Eltern und so steht das Pflegekind nicht nur in regelmäßigem Kontakt mit diesen, sondern es müssen auch bestimmte Entscheidungen, wie etwa die Taufe, gemeinsam entschieden werden. Auch der Nachname ist anders, denn das Pflegekind behält seinen Geburtsnamen. Eine enge Zusammenarbeit mit einer Sozialarbeiterin des Jugendamts ist bei einem Pflegekind unumgänglich – es kann aber auch sein, dass das Pflegekind unter bestimmten Bedingungen wieder in seine Herkunftsfamilie zurückkehrt. Hingegen ist ein Adoptivkind ein Teil der Familie – auf Dauer.

Von einer Inlandsadoption ausgenommen sind jene Paare, die bereits ein eigenes leibliches Kind haben. Wer allerdings beim zweiten oder dritten Kind einen unerfüllten Kinderwunsch hat, kann z.B. seine eigene kleine Familie um ein Pflegekind erweitern und einem Kind, das nicht so viel Glück im Leben hatte, ein zu Hause bieten.

Die drei Arten der Pflege

Bei einem Pflegekind wird zwischen einer Krisenpflege, einer Kurzzeitpflege und einer Langzeitpflege unterschieden.

Krisenpflegeeltern überbrücken nur die Zeit, bis eine andere Pflegefamilie für das Kind gefunden wurde. Bei der Kurzzeitpflege ist die Chance, dass das Kind wieder in die Herkunftsfamilie zurückkehrt höher als bei der Langzeitpflege.

Natürlich haben Paare die Möglichkeit anzugeben, welches „Modell“ sie sich am besten für sich vorstellen können.

Voraussetzungen als Pflegefamilie

Wer sich vorstellen kann ein Pflegekind in seine Familie aufzunehmen, muss ein paar Kriterien erfüllen:

- Grundkurs mit Vertiefungsmodulen: Die Absolvierung eines mehrwöchigen Kurses ist Pflicht und auch sinnvoll, um sich sicher sein zu können, dieser Herausforderung gewachsen zu sein. Ein Pflegekind kommt nicht aus einfachen Verhältnissen und es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, diesem Kind ein zu Hause zu bieten. In dem Grundkurs werden unterschiedliche Themenschwerpunkte durchgesprochen: Der Kinderwunsch, die eigenen Kindheit, die eigene Geschichte, Gründe für die Abnahme eines Kindes…

- Hausbesuch: Der Hausbesuch einer Sozialarbeiterin zählt ebenso  zu den Voraussetzungen – hier wird geschaut, ob es genug Platz für ein Kind gibt, wie die Familienverhältnisse sind und es wird auch gefragt, ob alle Familienmitglieder einverstanden sind.

- Auch die finanzielle Situation wird geklärt und es ärztliches Attest ist erforderlich, das die psychische und physische Eignung bestätigt.

 

Interview: Wir durften uns mit einer Pflegefamilie unterhalten:

Warum habt ihr euch für ein Pflegekind entschieden?

Wir wollten beide Kinder, aber nach vielen Versuchen, Fehlgeburten und Enttäuschungen klappte es einfach nicht. Dann haben wir uns informiert, welche Möglichkeiten es gibt und waren sofort davon angetan, Pflegeeltern zu werden.

Wie reagierte euer Umfeld?

Eigentlich gut. Die bekamen ja unsere Geschichte auch mit und freuten sich dann mit uns, als wir unser Pflegekind endlich hatten. Ein wenig war schon die Sorge da, ob man denn ein fremdes Kind auch so lieben könnte, aber das war nach wenigen Tagen bei allen verflogen. Heute macht es keinen Unterschied mehr. Unser Pflegekind ist unser Kind.

Was war die schrägste Situation bisher?

Es klingt komisch, aber am meisten Angst hatte ich vor dem Hausbesuch. Ich wusste ja nur, dass ja eine Sozialarbeiterin kommt – mehr aber nicht. Also habe ich (schon fast panisch) die ganze Wohnung geputzt, ja sogar die Bestecklade war so sauber wie noch nie. Auf jedes Detail habe ich geachtet, denn schließlich möchte man ja auch zeigen, dass man wirklich gut vorbereitet ist und an alles dachte. (lacht) Dabei war es dann nur ein netter Besuch mit Kaffee und Kuchen und ein Kennenlernen. Niemand schaute in meine Bestecklade.

Wie war es, als der Anruf kam?

Komisch. Wir waren eigentlich in den Urlaubsvorbereitungen, wollten nochmal einen letzten Urlaub zu zweit verbringen. Vorbereitet war noch gar nichts. Und dann kam der Anruf, dass es da dieses wenige Tage alte Baby gab, das unser Pflegekind werden könnte. Also Urlaub abgebrochen und ab ins Spital. Die Krankenschwester gab uns dann eines der Kinder, die dort lagen, legte sie mir in die Hand und sagte: „Schau, das sind deine Mama und dein Papa.“ Das war so schräg. Wir waren plötzlich Mama und Papa. Also irgendwie. Aber dieses Gefühl war nicht da. Es fühlte sich nicht danach an – zumindest nicht gleich. Aber das hört man ja auch von anderen Eltern, dass dieses Mama-Gefühl erst nach ein paar Tagen kommt. Wir waren dann jeden Tag bei unserem Pflegekind im Spital und am dritten Tag, ich weiß es noch genau, machte es Klick. Dann war ich nur noch verliebt und freute mich darauf, dass wir als Familie nach Hause gehen. Unser Kind. Zum Glück brachte mir meine Schwester ein paar Sachen vorbei, denn wir hatten ja noch nichts. Kinderwagen, Gitterbett, Kleidung, Milchnahrung…

Die zwei häufigsten Fragen?

Wann muss das Kind zurück? Und: Wann wird es adoptiert?

Wie ist es mit den leiblichen Eltern. Gibt es Kontakt?

Die leiblichen Eltern haben das Recht, das Kind zu sehen. Das müssen wir auch ermöglichen. Wir haben also regelmäßig Kontakt – mal mehr, mal weniger. Bei diesen Besuchen ist auch immer eine Sozialarbeiterin dabei. Diese Besuche bedeuten aber auch, dass wir z.B. nicht so einfach ins Ausland ziehen dürfen. Würde mein Mann jetzt also ein Jobangebot in den USA bekommen, könnte er es nicht annehmen – weil mit dem Umzug ein regelmäßiger Besuch nicht mehr möglich wäre. Wäre es hingegen in einem Nachbarland Österreichs und würden wir z.B. alle 6-8 Wochen nach Wien kommen, dann wäre es in Ordnung.

Wie geht es eurem Pflegekind mit dieser Situation?

Unser Pflegekind kennt es nicht anders. Es weiß, dass es leibliche Eltern hat und trifft diese auch regelmäßig. Da sprechen wir offen darüber und durch das Besuchsrecht ist es auch immer wieder Thema. Das finden wir gut. Es soll wissen, woher es kommt – nichts schlimmer, als wenn man sein Leben lang bei Menschen aufwächst, in dem Glauben, es sind die eigenen Eltern und dann entdeckt man durch Zufall die Wahrheit.

Dürft ihr alles alleine entscheiden oder gibt es Dinge, die mit den leiblichen Eltern abgesprochen werden müssen?

Sachen wie in welchen Kindergarten unser Kind geht oder welche Schule es besuchen wird, liegen bei uns. Wenn es aber z.B. um die Taufe oder Erstkommunion geht, dann muss es mit den Eltern abgesprochen werden. Auch bei finanziellen Dingen sind wir eingeschränkt: So dürfen wir z.B. keinen Bausparer für unser Pflegekind anlegen, sondern nur ein Sparbuch. Und auch erben würde es nichts, außer, es wäre im Testament geregelt. Einen rechtlichen Anspruch gibt es nicht.

Wie ist es rechtlich: Konntest du in Karenz gehen? Hast du dieselben finanziellen Ansprüche?

Seit 2016 gibt es den Rechtsanspruch auf Karenz - endlich! Somit konnte ich in Karenz gehen, erhielt normal das Kinderbetreuungsgeld und die Familienbeihilfe. Und zusätzlich gibt es einen monatlichen Zuschuss für das Pflegekind.

Wir würdest du euer Familienleben beschreiben?

Unglaublich schön. Ein Pflegekind aufzunehmen war die richtige Entscheidung. Und wir wollen gerne auch noch ein zweites Pflegekind. Da sind wir gerade dabei. So komisch zu Beginn der Kontakt mit dem Jugendamt auch war und immer wieder das Gefühl der Kontrolle oder der Rechenschaft, so normal ist es heute. Wir haben hier großes Glück und wissen, dass wir bei allen Fragen und Unsicherheiten jemanden haben, den wir fragen können. Es gibt viel Unterstützung und ein tolles Netzwerk innerhalb der Pflegefamilien, die sich treffen, sich austauschen und einander Halt geben. Ich möchte das nicht mehr missen. Wir haben nicht nur ein Pflegekind bekommen, nein, wir haben viele neue, positive Menschen kennengelernt. Und das ist so schön.

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