Gesund & Satt
Kindliche Sexualität - Worauf ist zu achten?
- Details
Was ist kindliche Sexualität und wie unterscheidet sie sich von dem, was wir als Erwachsenensexualität kennen? Cornelia Lindner, Sexualpädagogin, Sexualberaterin und Buchautorin gibt uns Einblicke in das sexuelle Wesen der Kleinsten.
(c) Curated Lifestyle
Viele Eltern haben Angst, ihre Kinder mit Informationen über Sexualität und Körper zu überfordern, dabei kommen Kinder als sexuelle Wesen auf die Welt. Die kindliche sexuelle Entwicklung ist dabei ein Teil der sonstigen Entwicklung (Motorik, Sprache, usw) und nicht eigenständig. Kinder können von Anfang an Lust im eigenen Körper spüren und daher auch dem jeweiligen Alter entsprechend begleitet werden, ohne zu überfordern.
Doch was ist überhaupt kindliche Sexualität? Und was ist sie nicht?
Wichtig ist hierbei immer, kindliche und Sexualität Erwachsener nicht zu vermischen. Denn es gibt Unterschiede! Die Erwachsenensexualität baut auf Erfahrungen aus Kindheit und Jugend auf, doch Kinder erleben Sexualität anders als Erwachsene.
Lust ist ein Gefühl – und jedes Gefühl ist ok!
Zuerst einmal leben Kinder im Hier und Jetzt. Bezugspersonen von Kindern kennen das aus vielen anderen Lebensbereichen: wenn ein Kind Hunger hat, möchte es SOFORT etwas essen. So ist es auch bei der Sexualität. Wenn ein Kind Lust hat, sich nackt auszuziehen, will es das SOFORT machen. Dagegen spricht prinzipiell nichts, allerdings gibt es Momente, in denen das unpassend wäre oder wir Kinder vor den Blicken Erwachsener schützen müssen.
Es ist wichtig, dass Kinder die sozialen Regeln lernen, aber auch erfahren dürfen, dass ihre Lust vollkommen in Ordnung ist. Sollte ein Kind also den eigenen Körper in einer Situation erleben wollen, in der es nicht passend ist, darf das Kind darauf hingewiesen werden, das lieber später zu Hause zu machen. Kleine Kinder können das natürlich noch nicht so umsetzen wie wir es uns vielleicht wünschen - sie können es aber mit der Zeit lernen.
Ein weiterer Unterschied zur Erwachsenensexualität ist, dass Kinder nach dem Gleichwertigkeitsprinzip leben. So ist es für sie gleichermaßen lustvoll, sich am Genital zu berühren, wie ihr Lieblingsbuch anzusehen, herumzurennen, zu singen, zu tanzen etc. Je nachdem, was das Kind gerne macht - das ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Mit dem Älterwerden wird dieses Prinzip immer weniger ausgeprägt. Ein Kind, das sich bei der Geburtstagsfeier nackt ausziehen will, kann durch spannende andere Spielangebote motiviert werden, die Kleidung anzubehalten, ohne den Wunsch nach Nacktheit zu beschämen.
Sexuelle Bildung von Anfang an
Ziel von sexueller Bildung von Geburt an ist es, den eigenen Körper kennenlernen und altersadäquates Wissen erfahren zu dürfen. Dazu zählt, den eigenen Körper als etwas Positives und Lustvolles erleben zu dürfen, beispielsweise durch Berührung des eigenen Körpers und Nacktsein. Die Möglichkeit, den ganzen Körper zu bewegen und kennenzulernen fördert die Weiterentwicklung eigenen Körperspürens.
Dazu zählt aber auch, andere Körper zu erforschen. Im Rahmen sogenannter "Doktorspiele", bei denen es sich um Erkundungsspiele handelt, können andere Kinder am ganzen Körper, also auch am Genital, erkundet werden - natürlich nur im Einverständnis aller Beteiligten und wenn es die Situation erlaubt. Denn: bei Erkundungsspielen ist wie bei allen anderen Spielen wichtig, dass alle Kinder freiwillig mitspielen und auch jederzeit aufhören können. Außerdem sollte auf den Altersunterschied geachtet werden, weil es durch zu große Altersunterschiede automatisch zu Machtungleichheiten kommt.
(c) Getty Images
Spatzi, Mumu usw.? Nur wenn die Kinder auch die richtigen Begriffe kennen
Neben all diesen körperlichen Erfahrungen brauchen Kinder von Anfang an auch altersadäquate Wissensvermittlung. Diese beginnt, indem Bezugspersonen die richtigen Begriffe der Genitalien verwenden – also Vulva, Vagina, Penis, Eichel, Hoden etc.
Sobald Kinder explizit oder auch versteckt Fragen rund um Körper, Gefühle, Sexualität etc. stellen, benötigen sie Antworten. Gleichzeitig dürfen auch Erwachsene von Kinderfragen überrascht sein und zugeben, wenn sie etwas nicht wissen. Dann ist es aber wichtig, sich zu informieren und die Antwort nachzuliefern – sonst holen sich Kinder die Antwort woanders und erhalten womöglich Fehlinformationen.
Zur Beantwortung vieler Fragen sind altersadäquate Aufklärungsbücher hilfreich und wichtig. Neben all den Traktor- und Tierbüchern sollten Körperbücher im Bücherregal, später Bücher über Schwangerschaft, Befruchtung und Geburt zu finden sein. Hier finden Sie ausgewählte Buchempfehlungen für jedes Alter! https://www.gefuehlsecht.at/aufklaerungsbuecher/
Die Bücher von Cornelia Lindner findet ihr auch im Falter-Online-Shop.
Um Kinder sicher und unaufgeregt in ihrer sexuellen Entwicklung begleiten zu können, ist es ratsam, dass sich Bezugspersonen mit der eigenen sexuellen Bildung auseinandersetzen.
Denn: Es ist nicht möglich, Menschen nicht sexuell zu bilden. Auch Schweigen zum Thema ist eine Art der Sexuellen Bildung. Umso wichtiger ist es, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und zu überlegen, welche sexuelle Bildung man dem eigenen Kind mitgeben möchte.
Über die Autorin

Cornelia Lindner ist Sexualpädagogin, Sexualberaterin, Kinderbuchautorin, Still- und Laktationsexpertin (EISL) und Beckenbodentrainerin in Wien, Niederösterreich und online. Unter dem Namen gefühls*echt bietet sie verschiedene Angebote rund um die Themen Sexualität und Körperwahrnehmung – von Sexualpädagogikworkshops über Sexualberatung und Elternberatung bis hin zu Beckenbodentraining und diversen Veranstaltungen. In ihren Kinderbüchern beschäftigt sie sich mit den Themen Fruchtbarkeit, Zyklus, Consent, Körperwissen und Stillen.








