Gesund & Satt
Themenstrecke Babys Milch und Beikost - Teil 3 - Abstillen
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Im letzten Teil unserer Themenstrecke "Milch und Beikost" geht es um das Ende der Stillbeziehung - das Abstillen. Wie lange ein Stillpaar stillen möchte, ist ganz unterschiedlich - von einigen Wochen bis weit über den ersten Geburtstag hinaus. Es ist eine persönliche Entscheidung, die jede Mutter für sich treffen darf. Niemand sollte sich dafür rechtfertigen müssen. In jeder Stillbezeihung kommt jedoch irgendwann der Punkt, wo es sich nicht mehr stimmig anfühlt oder wo das Stillen ganz nebenbei ausschleicht.
Der Beginn der Beikost
Wie bereits im 1. Teil unserer Themenstrecke erläutert, empfiehlt die WHO, Babys in den ersten 6 Lebensmonaten ausschließlich zu stillen. Je nach individueller Entwicklung kann das Kind um das 6. Lebensmonat herum mit Beikost starten. Die Empfehlung der Österreichischen Nationalen Ernährungskommission: Nicht vor Beginn des 5. Monats (17. Lebenswoche) bzw. nach Ende des 6. Monats (26. Lebenswoche) mit Beikost beginnen.
Zusätzlich zur Beikost kann natürlich so lange weiter gestillt werden, wie es für Mama und Baby passt.
(c) Toa Heftiba
Das Ende der Stillzeit
Wie lange ein Stillpaar stillt, ist individuell und kann sich im Verlauf der Stillzeit verändern. Während manche Mütter bereits früh einen Zeitpunkt festlegen, zu dem sie abstillen möchten, lassen andere zunächst offen, wie lange sie stillen werden. Nicht selten entwickelt sich der tatsächliche Verlauf anders als ursprünglich geplant. Maßgeblich sollte dabei sein, dass die Entscheidung für die Mutter stimmig ist. Sie sollte weder von ihrem Umfeld dazu gedrängt werden, „endlich“ abzustillen, noch dazu angehalten werden, länger zu stillen, als es ihren eigenen Bedürfnissen und ihrem Empfinden entspricht.
Entsteht bei der Mutter der Wunsch, das Abstillen einzuleiten, wird häufig von einem „sanften“ Abstillen gesprochen. Damit ist vielfach die Vorstellung verbunden, dass das Kind den Übergang möglichst ohne Weinen oder andere negative Gefühle bewältigen kann. Dieser Wunsch ist nachvollziehbar. Wenn der Impuls zum Abstillen jedoch nicht vom Kind selbst ausgeht, ist ein vollständig tränenfreier Übergang in der Regel nicht realistisch.
Stillen erfüllt von Beginn an Funktionen, die über die Ernährung hinausgehen. Die Brust bietet dem Kind Nähe, Geborgenheit, Regulation und Sicherheit. Auch wenn ein Kind bereits ausreichend feste Nahrung zu sich nimmt und die Muttermilch für seine Ernährung nicht mehr zwingend erforderlich ist, bedeutet dies nicht automatisch, dass es auch auf das Stillen verzichten möchte. Es benötigt Zeit, bis Rituale wie Kuscheln, Körperkontakt, Streicheln oder das gemeinsames Ruhen als Alternative zum Stillen angenommen werden.
(c) Hans
Wie lange Kinder ohne äußere Einflussnahme gestillt werden, ist individuell sehr unterschiedlich. Internationale Empfehlungen unterstützen das Stillen über die ersten sechs Lebensmonate hinaus bis zum Alter von zwei Jahren oder darüber hinaus, solange Mutter und Kind dies wünschen. Ein einheitlicher Zeitpunkt, an dem sich alle Kinder von selbst abstillen, lässt sich daraus nicht ableiten.
Weinen und andere emotionale Reaktionen können deshalb Teil des Abstillprozesses sein. Entscheidend ist weniger, ob Tränen vollständig vermieden werden können, sondern vielmehr, wie die Gefühle des Kindes begleitet werden. Ein feinfühliger Umgang bedeutet, die emotionale Reaktion des Kindes wahrzunehmen, anzuerkennen und ihm während des Veränderungsprozesses Sicherheit und Nähe zu vermitteln.
Idealerweise erfolgt das Abstillen schrittweise und mit ausreichend Zeit für die Anpassung an die veränderte Situation. Dadurch erhalten sowohl Mutter als auch Kind die Möglichkeit, sich allmählich auf die neue Situation einzustellen und alternative Formen von Nähe, Regulation und Geborgenheit zu entwickeln.
Abstillen bedeutet Veränderung – für Mutter und Kind
Das Ende der Stillzeit stellt nicht nur für das Kind eine Veränderung dar. Auch der Körper und die Psyche der Mutter müssen sich an die neue Situation anpassen. Die Milchbildung verändert sich schrittweise, gleichzeitig fällt eine vertraute Form der Nähe, Beruhigung und Interaktion weg. Abstillen kann deshalb mit unterschiedlichen Gefühlen verbunden sein – von Erleichterung und Vorfreude bis hin zu Wehmut, Unsicherheit oder Ambivalenz. All diese Empfindungen können nebeneinander bestehen.
Wenn die Mutter das Abstillen aktiv gestalten möchte, ist es hilfreich, sich über die eigene Entscheidung möglichst klar zu sein und gleichzeitig flexibel zu bleiben. Abstillen ist kein linearer Prozess. Phasen, in denen ein Kind wieder häufiger stillen möchte, können beispielsweise während Erkrankungen, in Zeiten besonderer Belastung oder im Zusammenhang mit Entwicklungsschritten auftreten. Eine vorübergehende Zunahme des Stillbedürfnisses bedeutet daher nicht, dass der bisherige Prozess „gescheitert“ ist.
Es kann sinnvoll sein, die eigenen Pläne immer wieder neu zu überprüfen: Passt der eingeschlagene Weg noch für mich und mein Kind? Brauchen wir mehr Zeit? Ist eine Pause sinnvoll? Oder möchte ich den nächsten Schritt versuchen? Ein erneuter Anlauf ist kein Rückschritt, sondern kann Teil eines individuellen Anpassungsprozesses sein.
Besonders herausfordernd: das nächtliche Abstillen
Während sich einzelne Stillmahlzeiten tagsüber häufig vergleichsweise unkompliziert reduzieren lassen, kann das nächtliche Abstillen eine größere Herausforderung darstellen. Viele Kinder suchen nachts öfters nach der Brust - und das nicht nur aufgrund von Hunger. Das kann für Mütter zur wahren Belastungsprobe werden, denn chronischer oder wiederholter Schlafmangel kann die körperliche und psychische Belastbarkeit erheblich beeinträchtigen. Der Wunsch, insbesondere nachts weniger oder gar nicht mehr zu stillen, ist daher ein nachvollziehbares Bedürfnis der Mutter.
Nächtliches Abstillen bedeutet allerdings nicht automatisch, dass das Kind anschließend durchschläft. Es kann weiterhin aufwachen und die Unterstützung einer vertrauten Bezugsperson benötigen. Verändert wird zunächst vor allem die Art der Begleitung: Die Brust als bisher vertraute Möglichkeit zur Beruhigung fällt weg und wird schrittweise durch andere Formen der Zuwendung ersetzt. Dieser Übergang kann zunächst mit Protest und erhöhtem Unterstützungsbedarf verbunden sein und entsprechend viel Geduld und Kraft erfordern.
(c) Ruben Daniel
Insbesondere nachts kann der Partner oder eine andere Bezugsperson die Begleitung übernehmen und dem Kind alternative Formen der Beruhigung anbieten. Für manche Kinder kann dies den Übergang erleichtern, da die stillende Mutter und damit auch die unmittelbare Möglichkeit des Stillens in dieser Situation nicht verfügbar ist. Gleichzeitig ist es wichtig, die individuelle Situation des Kindes zu berücksichtigen: Nicht jedes Kind lässt sich nachts gleichermaßen gut von einer anderen Person begleiten.
Und auch beim nächtlichen Abstillen gilt: Wenn die Belastung für Mutter oder Kind zu groß wird, kann es sinnvoll sein, eine Pause einzulegen und zu einem späteren Zeitpunkt einen neuen Versuch zu unternehmen. Ein solcher Schritt ist kein Scheitern, sondern kann Teil eines individuellen und bedürfnisorientierten Abstillprozesses sein.
Schrittweise Gestaltung des Abstillens
Ein schrittweises Vorgehen kann sowohl für das Kind als auch für die Mutter hilfreich sein. Statt alle Stillmahlzeiten gleichzeitig wegzulassen, kann zunächst eine einzelne Situation verändert werden:
- Nach einer festen Mahlzeit keine zusätzliche Milch automatisch anbieten.
- Die Brust nicht mehr aktiv anbieten, sondern nur mehr wenn sie eingefordert wird.
- Vereinbaren, dass nur mehr zu Hause / im Bett / vor dem Einschlafen / nach dem Aufwachen gestillt wird.
- Alternativen anbieten: Bei Langeweile andere Beschäftigungen, bei Hunger / Durst etwas zu Essen / Trinken.
Muss das Kind für den beruflichen Wiedereinstieg /die Kindergarteneingewöhnung abgestillt sein?
Weder für den beruflichen Wiedereinstieg noch für den Start in den Kindergarten muss ein Kind abgestillt sein, wenn Mutter und Kind weiterhin stillen möchten.
Das Mutterschutzgesetz sieht für stillende Arbeitnehmerinnen sogar einen Anspruch auf Stillzeit vor.
- Bei einer täglichen Arbeitszeit von mehr als 4,5 Stunden stehen 45 Minuten Stillzeit zu. Bei 8 Stunden sind es zweimal 45 Minuten, die unter bestimmten Voraussetzungen sogar zu einer 90-minütigen Stillzeit zusammengefasst werden können. Die Stillzeit kann alternativ auch zum Abpumpen von Muttermilch genutzt werden.
- Die Stillzeit zählt als Arbeitszeit, darf keinen Verdienstausfall verursachen und weder vor- noch nachgearbeitet noch auf die gesetzlichen Ruhepausen angerechnet werden.
- Die gesetzlich vorgesehenen Zeiten sind Mindestzeiten. Wenn aufgrund der Bedürfnisse von Mutter oder Kind mehr Zeit erforderlich ist, können auch längere Zeiten vereinbart werden.
Die konkrete Gestaltung der Stillzeiten wird mit dem Arbeitgeber bzw. der Arbeitgeberin abgestimmt. Die Arbeiterkammer informiert ausführlich über die Rechte stillender Arbeitnehmerinnen.
(c) Natalia Blauth
Auch für die Eingewöhnung in den Kindergarten ist Abstillen nicht notwendig.
Ein Kind kann lernen, mehrere Stunden ohne Stillen auszukommen und trotzdem weiterhin gestillt werden. Viele Kinder gestalten ihre Stillbeziehungen je nach Situation ganz unterschiedlich: Bei anderen vertrauten Bezugspersonen können sie längere Stillpausen problemlos akzeptieren und nach der Rückkehr zu Mama wieder verstärkt Nähe und Stillen einfordern.
Gerade in der Eingewöhnungszeit kann das Stillen eine wertvolle Möglichkeit sein, nach der Trennung wieder Nähe, Sicherheit und Vertrautheit zu erleben. Der Kindergarten ist für ein Kind eine große Veränderung: neue Räume, neue Menschen, neue Abläufe und die zeitweise Trennung von den vertrauten Bezugspersonen. Da kann es besonders hilfreich sein, wenn zu Hause weiterhin vertraute Rituale und viel Nähe möglich sind.
Stillen und erneute Schwangerschaft
Auch eine erneute Schwangerschaft ist grundsätzlich kein Grund, das ältere Kind abzustillen. Wenn Mutter und Kind weiterhin stillen möchten und keine medizinischen Gründe dagegensprechen, kann während der Schwangerschaft weitergestillt werden.
Nach der Geburt des Babys muss das ältere Kind ebenfalls nicht automatisch abgestillt werden. Wenn es für die Mutter, das Neugeborene und das ältere Kind gut passt, können beide Kinder weiter gestillt werden. Dieses gleichzeitige Stillen von Geschwistern wird Tandemstillen genannt. Beim Tandemstillen gibt es einen wichtigen Grundsatz: Das Neugeborene hat Vorrang.
Für ein ausschließlich gestilltes Neugeborenes ist Muttermilch in den ersten Lebensmonaten die Nahrung und Flüssigkeit. Das ältere Kind hat bereits andere Möglichkeiten, seinen Energie- und Nährstoffbedarf zu decken.
Stillen bei Erkrankung der Mutter
Auch eine Erkrankung der Mutter bedeutet in den allermeisten Fällen nicht, dass abgestillt werden muss. Bei vielen alltäglichen Erkrankungen kann problemlos weitergestillt werden – zum Beispiel bei einer Erkältung, einem grippalen Infekt oder Fieber. Auch bei vielen anderen Infektionen kann das Stillen fortgesetzt werden. Häufig ist es sogar sinnvoll, weiterzustillen, weil die Muttermilch weiterhin Nährstoffe und immunologisch wirksame Bestandteile liefert.
Auch wenn Medikamente eingenommen werden müssen, ist ein Abstillen nicht immer erforderlich. Zwar können viele Medikamente in kleinen Mengen in die Muttermilch übergehen, die meisten Medikamente sind mit dem Stillen vereinbar oder es gibt geeignete Alternativen.
Bespricht euch vorab mit eurem Arzt bzw. eurer Ärztin und findet gemeinsam den passenden Weg. Auch IBCLC Stillberaterinnen, Hebammen oder Embryotox, ein Programm der Berliner Charitè zur Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit, können euch helfen.
Anlaufstellen rund ums Stillen
In Österreich gehören Hebammen, Stillberater:innen, Stillambulanzen und Stillgruppen zu den wichtigen Anlaufstellen rund um die erste Zeit mit Baby.
Stillvorbereitungskurse findest du unter anderem hier:
Auch Krankenhäuser wie das Sankt Josef Krankenhaus, die Klinik Hietzing oder die Klinik Landstraße bieten Kurse zur Stillvorbereitung.
Stillberaterinnen in deiner Nähe findest du hier:
Hebammen in deiner Nähe findest du hier:









