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Wenn das Glück ausbleibt: Wochenbettdepression verstehen
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Die Geburt eines Kindes wird häufig als eine der schönsten Erfahrungen im Leben einer Mutter beschrieben. Eine Schwangerschaft und das erste Lebensjahr des Kindes sind für viele Frauen aber auch einer der intensivsten Abschnitte ihres Lebens, der alles andere als blumig sein kann.
Rund 15 bis 20% aller Mütter (Quelle: Wiener Gesundheitsverbund) entwickeln während oder nach der Schwangerschaft eine Depression.
Der “Baby Blues” ist eine depressiv-labile Stimmungslage, die durch die Umstellung und durch hormonelle Veränderungen hervorgerufen wird. Dabei sind Stimmungsschwankungen, Tränen und Überforderung häufig und der Zustand klingt meist nach einigen Tagen von selbst wieder ab.
Eine peripartale oder postnatale Depression geht hingegen über diese vorübergehende Phase hinaus. Sie kann länger anhalten und sich unter anderem durch anhaltende Traurigkeit, Erschöpfung, Schuldgefühle, Ängste oder fehlende Freude am Alltag äußern.
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Wichtig ist: Du bist keine schlechte Mutter, nur weil du diese Gefühle empfindest. Es ist okay, sich überfordert, traurig oder erschöpft zu fühlen. Du musst da nicht allein durch. Hol dir Hilfe und sprich darüber! Unterstützung anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein wichtiger Schritt für dich und dein Kind.
Wir haben mit der Psychotherapeutin Maria Asenbaum darüber gesprochen, wie eine postnatale Depression entsteht und wo Betroffene Hilfe finden können.
Warum entwickeln manche Frauen nach der Geburt eine Depression und andere nicht?
Die Umstellung beim Eltern-werden ist für Mütter und die ganze Familie eine Herausforderung. Ein neuer Mensch wird geboren, neue Rollen müssen gelernt werden und ganz neue Emotionen bereichern uns Gefühlsspektrum – positive wie negative. Hier kommt es auf die bisherige Lebenserfahrung und auf das Zusammenspiel mit den Umgebungsfaktoren an, ob dies „reibungslos“ gelingt, oder ob sich Unbehagen, Überforderung und Depression entwickeln.
Gibt es bestimmte Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer postnatalen Depression erhöhen?
In der Psychologie ist der am besten belegte Risikofaktor eine vorangegangene depressive Episode. Aber ebenso werden die Beziehungsqualität, die Unterstützung durch das soziale Umfeld, der Attributionsstil – also ob wir Schwierigkeiten eher uns selbst oder anderen zuschreiben – und verschiedene Persönlichkeitsmerkmale diskutiert. Als systemische Therapeutin liegt mein Augenmerk weniger auf den individuellen Risikofaktoren als auf den Interaktionen in der Familie und in der Gesellschaft, die die Entwicklung von Symptomen bei jungen Müttern begünstigen, sowie auf den möglichen Ressourcen in der Familie.
Welche Symptome sind typisch und woran können Betroffene erkennen, dass sie möglicherweise Hilfe brauchen?
Symptome können in die klassisch depressive Richtung gehen, wie Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit, Pessimismus und Niedergeschlagenheit, es kann aber auch in Richtung Angst und Panik oder in Richtung Wut und Aggression gehen. Es kann sein, dass das Rausgehen mit Baby sehr schwer wird, dadurch fehlen dann positive Interaktionen und der Zustand verschlechtert sich. Manche Mütter werden sehr einsam oder andere kämpfen mit eigenen Ansprüchen, was man als Mutter alles schaffen sollte. Konflikte oder ein sich-entfremden vom Partner kann auch zu einem Problem in dieser Zeit werden.
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Wie kann sich eine postnatale Depression auf die Beziehung zum Baby auswirken?
Wenn es Müttern psychisch nicht gut geht, kann es verständlicherweise schwer fallen sich dem Baby voll offen zuzuwenden. Babys spüren sehr genau, wie es ihrer Mama geht und reagieren häufig mit Unsicherheit und vermehrtem Schreien. Das kann den Alltag noch schwieriger gestalten. Es ist auch möglich, das Bindungsprobleme auftreten. Wichtig ist es als Mutter, sich da aber nicht weiter unter Druck zu setzen. Es ist in Ordnung, sich auch mal nicht gut zu fühlen. Wichtiger als immer fröhlich zu sein und alles richtig zu machen ist es für die Mutter-Kind-Bindung, authentisch zu sein. Kinder brauchen keine perfekten Mütter, sie brauchen eine sichere Basis. Dazu ist es wichtig, dass Mütter auch etwas für sich tun können und vielleicht auch Väter oder andere Bindungspersonen für sie da sind.
Was sollten Betroffene tun, wenn sie merken, dass es ihnen psychisch nicht gut geht?
Sich nicht selbst die Schuld zu geben oder sich zurückzuziehen ist das wichtigste. Als ersten Schritt einmal mit dem Partner, Verwandten oder einer Freundin zu sprechen, macht bereits einen großen Unterschied. Es gibt gute Informationsseiten im Internet und es gibt Fachpersonen, die weiterhelfen können.
Was können Angehörige tun? Welche Anzeichen werden von Angehörigen häufig übersehen?
Angehörige spielen eine ganz wichtige Rolle. Wenn Partner, Eltern oder andere Angehörige bemerken, dass eine junge Mutter unglücklich ist, sich gereizt und überfordert zeigt, viel grübelt, sich sorgt und keine Freude mehr an Dingen zu haben scheint, die ihr früher Spaß gemacht haben, ist es Zeit das Gespräch zu suchen und aktiv mehr Unterstützung anzubieten. Betroffene Mütter fühlen sich oft schuldig oder haben das Gefühl, es alleine schaffen zu müssen, auch das sollte man aktiv ansprechen. Niemand muss die Babyzeit alleine meistern. Es braucht ein starkes soziales Netzwerk und aktive Väter, um diese Entwicklungsphase gut zu bewältigen. Wenn das nicht möglich ist – z. B. bei Alleinerziehenden ohne familiäre Unterstützung - braucht es Unterstützung durch öffentliche Angebote.
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An wen können sich Betroffene für Hilfe wenden?
In Wien gibt es Spezialambulanzen, wie in der Klinik Ottakring die Ambulanz für peripartale Psychiatrie oder man kann sich an niedergelassene Psychotherapeutinnen mit Spezialisierung auf den Peripartalbereich wenden.
Für Beratung und auch praktische Unterstützung gibt es die Frühen Hilfen Wien, die jungen Familien auch tatkräftig zur Seite stehen. Wenn es eine akute Situation gibt, bei der es eventuell auch um die Gefährdung von Mutter oder Kind geht, bitte ich nicht zu zögern den Psychosozialen Dienst oder die Rettung zu rufen.
Was möchtest du einer Mutter mitgeben, die gerade das Gefühl hat, mit ihren Gedanken und Gefühlen allein zu sein?
Deine Gefühle sind nicht falsch. Es gibt sehr viele Betroffene und es gibt zum Glück mittlerweile gute Hilfsangebote. Du musst da nicht alleine durch! Und: Es muss auch nicht immer eine klinische Depression sein, um sich an eine Therapeutin zu wenden. Oft beschäftigen sich Mütter viel zu lange mit der Frage, ob es ihnen schon „schlecht genug“ geht, um das anzusprechen. Sich Unterstützung zu holen, sowohl im privaten Umfeld, als auch professionell ist keine Schande, sondern eine gesunde Reaktion auf eine tatsächlich herausfordernde Lebensphase.
Über die Autorin

Mag. Maria Asenbaum ist Psychologin und Psychotherapeutin (systemische Familientherapie). Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Psychotherapie in Peripartalzeit, Paar- und Familientherapie, Therapie bei Belastungsstörungen, Depression und Angst.









