Gesund & Satt
Babypflege im ersten Lebensjahr
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Für uns Erwachsene gehören tägliche Dusche, Duschgel und Bodylotion oft ganz selbstverständlich dazu. Bei Babyhaut sieht die Sache anders aus. Wie oft sollte ein Baby eigentlich gebadet werden? Braucht es danach eine Creme? Und welche Produkte kann man sich getrost sparen?
Die beruhigende Antwort vorweg: Bei gesunder Babyhaut ist weniger meistens mehr.
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Wir haben Kinderdermatologin Dr. Sandra Herout gefragt, was Babyhaut im ersten Lebensjahr wirklich braucht – und worüber sich Eltern nicht unnötig den Kopf zerbrechen müssen.
Was unterscheidet die Haut eines Babys von der Haut eines Erwachsenen? Wie empfindlich ist Babyhaut?
Sanfte Babyhaut ist etwas ganz Besonderes. Vor allem in den ersten Monaten entwickelt sich ihre Schutzbarriere noch weiter. Deshalb kann sie schneller austrocknen und empfindlicher auf Reibung, Speichel, häufiges Waschen oder ungeeignete Pflegeprodukte reagieren.
Als Kinderdermatologin – und auch als Mama – ist mir deshalb ein Gedanke besonders wichtig: Wir müssen gesunde Babyhaut nicht ständig eincremen oder pflegen.
Meistens kommt sie sehr gut alleine zurecht. Weniger ist hier wirklich oft mehr. Wenn die Haut tatsächlich Probleme macht, darf man natürlich gezielt pflegen. Dann am besten Produkte verwenden, die für Babyhaut geeignet sind. Und wenn man unsicher ist: ruhig einmal beim Kinderarzt oder bei der Kinderdermatologin nachfragen. Oft kann schon ein kurzer Blick auf die Haut viel Sorge nehmen.
Wann sollte ich mein Baby nach der Geburt zum ersten Mal baden? Und welche Badezusätze eignen sich für das Babybad?
Meine kurze Faustregel lautet: Kuscheln statt Baden; Baden mit Wasser.
Hier hat in den vergangenen Jahren ein schönes Umdenken stattgefunden. Früher wurden Babys nach der Geburt häufig relativ rasch gewaschen oder gebadet – auch, um die Käseschmiere zu entfernen. Heute wissen wir: Die Vernix, also die Käseschmiere, ist kein Schmutz, sondern ein natürlicher Schutzfilm für die Babyhaut. Sie vermindert unter anderem den Wasserverlust über die Haut und besitzt antimikrobielle Eigenschaften. Sie darf also ruhig bleiben.
Direkt nach der Geburt sind Wärme, Hautkontakt, Bonding und das erste Stillen ohnehin wichtiger als ein Bad. Bei einem gesunden, reif geborenen Baby empfiehlt die WHO, mit dem ersten Bad mindestens 24 Stunden zu warten. Europäische Empfehlungen gehen zum Teil noch weiter und nennen den zweiten oder dritten Lebenstag.
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Und wenn dann gebadet wird, braucht es erstaunlich wenig: Bei gesunder Babyhaut reicht Wasser aus. Wer trotzdem ein Reinigungsprodukt verwenden möchte, sollte nur eine kleine Menge eines milden, unparfümierten und für Babyhaut geeigneten Produktes verwenden. Klassische Seife würde ich vermeiden.
Das Bad selbst darf kurz sein: fünf bis zehn Minuten bei etwa 37 bis 38 Grad.
Wie oft sollte ein Baby gebadet oder gewaschen werden?
Viel seltener, als viele Eltern denken. Bei einem hautgesunden Baby reicht aus meiner Sicht etwa ein bis zwei Vollbäder pro Woche völlig aus. Gesicht, Hände, Hautfalten und natürlich der Windelbereich werden zwischendurch einfach nach Bedarf gereinigt.
Wenn Baden für das Baby und die Eltern ein schönes Ritual ist, darf es natürlich auch einmal öfter sein – medizinisch notwendig ist das aber nicht. Danach die Haut sanft trocken tupfen und nicht kräftig rubbeln.
Und bitte keinen Stress mit dem Badeplan: Wenn der Badeabend ausfällt, passiert genau gar nichts. Ein Baby muss nicht jeden zweiten Tag frisch gebadet sein, um gut gepflegt zu sein.
Gibt es bei der Pflege des Intimbereichs etwas Besonderes zu beachten?
Der Windelbereich ist für die Haut eine kleine Herausforderung: Es ist warm und feucht und dazu kommt Reibung. Deshalb ist regelmäßiges Windelwechseln viel wichtiger als ein Arsenal an Pflegeprodukten. Für die Reinigung reichen warmes Wasser und ein weiches Wattepad meistens völlig aus.
Wichtig ist vor allem, Stuhlreste sanft zu entfernen, gegebenenfalls auch mit etwas Öl, und nicht kräftig zu reiben.
Und etwas darf man guten Gewissens von der Babyeinkaufsliste streichen: Puder. Es hat keine hautpflegende Wirkung, kann auf feuchter Haut verklumpen und vor allem vom Baby eingeatmet werden.
Mein Tipp: Lieber einmal öfter die Windel wechseln als eine Creme mehr kaufen. Und wenn es im Alltag passt, darf das Baby zwischendurch ruhig einmal ohne Windel strampeln.
Braucht Babyhaut nach der Reinigung zusätzliche Pflege? Und woran erkennen Eltern ein geeignetes Produkt?
Gesunde Babyhaut muss nicht jeden Tag von Kopf bis Fuß eingecremt werden. Ist die Haut tatsächlich trocken, ist gezielte Pflege natürlich sinnvoll. Dann würde ich ein möglichst einfaches Produkt mit wenigen potenziell reizenden Inhaltsstoffen wählen – jedenfalls ohne Duftstoffe.
Was viele Eltern überrascht: „Natürlich“ bedeutet nicht automatisch besser. Auch Pflanzenöle können die Haut reizen. Olivenöl würde ich beispielsweise nicht zur regelmäßigen Babypflege empfehlen. Und auch „hypoallergen“ auf der Verpackung ist keine Garantie dafür, dass ein Produkt keine Kontaktallergene enthält.
Meine einfache Faustregel lautet deshalb: Gesunde Haut in Ruhe lassen, trockene Haut gezielt und sanft pflegen.
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Welche typischen Hautprobleme können im ersten Lebensjahr auftreten?
Babyhaut macht gerade in den ersten Wochen manchmal komische Dinge, die aber meistens völlig harmlos sind. Da können zum Beispiel kleine weiße Pünktchen im Gesicht, sogenannte Milien, auftauchen oder kleine Pickelchen wie bei einer Neugeborenenakne. Auch rote Flecken mit kleinen gelblich-weißen Pünktchen oder Pustelchen können vorkommen – das nennt man Erythema toxicum. Der Name klingt viel schlimmer, als es ist: Meist verschwindet dieser typische Neugeborenenausschlag von selbst.
Manche Babys bekommen durch das kräftige Saugen auch eine kleine Blase oder Verdickung an der Lippe, eine sogenannte Saugblase. Und auch wenn sich die Haut in den ersten Wochen ordentlich schuppt, ist das häufig ganz normal.
Wichtig ist: Eltern müssen das nicht selbst diagnostizieren können. Wenn etwas ungewöhnlich aussieht, sich ausbreitet, Bläschen oder stärkere Pusteln entstehen oder man einfach unsicher ist, lieber einmal dem Kinderarzt oder der Kinderdermatologin zeigen. Oft reicht ein kurzer Blick, um Entwarnung zu geben.
In der kinderdermatologischen Spezialambulanz und meiner Ordination sehe ich auch viele Kinder mit sogenannten “Hämangiomen” (Blutschwämmchen) und angeborenen Muttermalen.
Bei welchen Hautveränderungen sollten Eltern genauer hinsehen? Wie erkenne ich Neurodermitis bei meinem Baby?
Das ist mir besonders wichtig: Nicht jede trockene oder rote Babyhaut ist gleich Neurodermitis.
Ausgeprägte oder anhaltende Hauttrockenheit kann aber ein erstes Zeichen eines atopischen Ekzems sein. Typisch sind trockene, gerötete und entzündete Hautstellen und vor allem Juckreiz. Wenn das Baby sich auffällig viel kratzt oder reibt, unter dem Juckreiz leidet, deshalb schlecht schläft oder die Hautveränderungen immer wiederkommen, würde ich genauer hinschauen.
Und Eltern dürfen hier ruhig auf ihr Gefühl hören. Wenn einem die Haut des eigenen Kindes Sorgen macht, darf man sie anschauen lassen. Dafür sind wir da. Oft können wir nach einem kurzen Blick schon beruhigen und erklären, was dahintersteckt. Und wenn tatsächlich eine Behandlung notwendig ist, kann man gezielt etwas tun – statt zu Hause wochenlang verschiedene Cremes auszuprobieren.
Welche drei Tipps würden Sie Eltern für die Babypflege im ersten Lebensjahr mit auf den Weg geben?
1) Weniger ist mehr.
Gesunde Babyhaut braucht weder tägliche Vollbäder noch zehn verschiedene Pflegeprodukte.
2) Einfach halten.
Kurze Bäder, angenehm warmes Wasser und nur bei Bedarf eine einfache, passende Pflege reichen meistens völlig aus.
3) Schauen Sie auf Ihr Baby – nicht auf einen perfekten Pflegeplan.
Jedes Kind und jede Haut ist ein bisschen anders. Wenn die Haut weich und gesund ist, muss man wenig tun. Wenn etwas dauerhaft trocken ist, juckt oder entzündet aussieht, holen Sie sich Rat.
Und vielleicht ist das meine wichtigste Botschaft an Eltern: Machen Sie sich mit der Babypflege nicht zu viel Stress. Sie müssen nicht für jede Hautfalte das perfekte Produkt kennen und auch nicht jede rote Stelle sofort richtig einordnen können. Eltern haben im ersten Jahr wirklich genug zu tun. Babypflege darf einfach sein – und wenn Sie einmal unsicher sind, sind Kinderärzte und Kinderdermatologen genau dafür da.
Über die Autorin

Dr. Sandra Herout ist Fachärztin für Dermatologie und leitet die kinderdermatologische Spezialambulanz in der Klinik Donaustadt. Dort betreut sie vor allem Fälle mit seltenen Erkrankungen und arbeitet eng mit KinderärztInnen und KinderchirugInnen interdisziplinär zusammen.
Zusätzlich betreibt sie eine Wahlarztordination mit Fokus Kinderhaut und Familien, aber auch Laserbehandlungen und Dermatochirurgie.
Durch Ihre besondere Leidenschaft für die pädiatrische Dermatologie, erhielt sie ein Stipendium und absolvierte in diesem Bereich eine Sonderausbildung in Argentinien, in einem weltweit renommierten Kinderhautzentrum. Sie ist Mitglied in internationalen und nationalen Gesellschaften (International Society of Pediatric Dermatology - ISPD, European Society of Pediatric Dermatology - ESPD, Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Dermatologie - AGPD).









