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Babys erste Schuhe – warum später oft besser ist
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Die meisten Eltern kaufen die ersten Schuhe zu früh, und dann meist auch noch zu groß. Dabei ist die Wahrheit ziemlich unerwartet: Am gesündesten für kleine Füße ist es, gar keine Schuhe zu tragen. Barfuß, nicht mal in Socken. Nur der nackte Fuß spürt wirklich, wo er hintritt – auf Teppich, Parkett, Gras, Kieselsteine. Und genau dieser ständige Wechsel an Reizen bringt die kleine Fuß- und Beinmuskulatur dazu, sich selbst zu trainieren.
Wenn sich die Babyfüßchen kühl anfühlen, heißt das nicht automatisch, dass deinem Kind kalt ist. Die Durchblutung in den kleinen Füßen ist einfach noch nicht voll ausgereift – deshalb fühlen sie sich oft kühler an, als sie eigentlich sind. Der ehrlichere Kälte-Test ist der Nacken: Fühlt der sich warm und trocken an, ist alles gut, auch wenn die Füßchen kalt wirken.
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Erst wenn dein Kind sicher und regelmäßig läuft und draußen Schutz vor Kälte, Nässe oder spitzen Steinchen braucht, wird das erste Paar Schuhe zum Thema. Und jetzt kommt der Punkt, an dem die meisten Eltern automatisch fragen: "Welche Kinderschuhmarke ist die beste?"
Nur weil ein Schuh dem Kind der besten Freundin wie angegossen passt, heißt das noch lange nicht, dass er auch bei deinem Kind so gut sitzt. Jeder Fuß ist anders geformt: unterschiedlich breit, unterschiedlich hoch im Spann, unterschiedlich in der Fersenform. Eine Marke, die für den einen Fuß perfekt ist, kann für den anderen völlig unpassend sein. Deshalb setzen erfahrene Eltern nicht allein auf Tipps aus dem Bekanntenkreis, sondern gehen ins Fachgeschäft. Hier werden Kinderfüße vermessen, statt Schuhe einfach nur anzuprobieren.
Wir haben Peter von Daantje, dem Spezialisten für Kinderschuhe, unsere Fragen rund zum Thema Kinderschuhe gestellt. Seit 2010 beraten und verkaufen er und sein Team Kinderschuhe und gehören zu den Vorreitern beim Thema Barfußschuhe.
Wie wird die Schuhgröße bei Kindern bestimmt? Wie viel Bewegungsfreiheit brauchen die Zehen und wie viel Platz sollte vorne im Schuh sein?
Bei Laufanfängern gilt: Vorne im Schuh sollten maximal 12 Millimeter Platz bleiben – nicht mehr.
Viele Eltern kennen die Faustregel eine Daumenbreite Platz – und genau die ist bei den Kleinsten leider zu großzügig gedacht. Rechnen wir kurz nach: Der Daumen einer erwachsenen Frau ist im Schnitt etwa 1,8 bis 2 Zentimeter breit. Bei einem Kinderfuß von, sagen wir, 11 Zentimetern Länge wären 2 Zentimeter Zuwachs fast ein Fünftel der gesamten Fußlange. Das klingt erstmal nach nicht viel, ist für einen winzigen Fuß aber enorm.
Und genau da liegt das Problem: Ein Kind, das gerade erst laufen gelernt hat, kämpft noch mit dem Gleichgewicht. Es braucht seine Zehen aktiv, um sich im Schuh festzukrallen und überhaupt Halt zu finden. In einem Schuh mit zu viel Luft nach vorne rutscht der Fuß bei jedem Schritt, die Zehen greifen ins Leere statt in den Boden zu drücken – und plötzlich wird aus dem stolzen ersten Laufen ein wackliges Stolpern.
Deshalb: lieber knapp bemessen mit maximal 12 mm, als großzügig zum Reinwachsen.
Wenn wir die richtige Schuhgröße gefunden haben, wie lässt sich feststellen, ob der Schuh auch an allen Stellen gut sitzt und nirgendwo drückt?
Größe ist bei uns nur der erste Schritt – danach geht's erst richtig los. Wir bei Daantje haben über die Jahre ein Gespür dafür entwickelt, wie unterschiedlich Kinderfüße eigentlich sind: der Eine - schmal und flach, der Andere - mit einem richtig hohen Rist, der nächste eher breit und kräftig.
Deshalb messen wir immer im Stehen – Länge und Breite – auch wenn das mit kleinen Kindern manchmal eine echte Herausforderung ist, weil so ein Messgerät für ein Einjähriges durchaus verdächtig aussehen kann. Aus dieser Messung wissen wir schon ziemlich genau, in welche Richtung wir suchen müssen, denn wir kennen die Passformen der verschiedenen Hersteller wie unsere Westentasche – und schlagen passende Modelle direkt vor. So vermeiden wir dass ein Kleinkind zu viele Schuhe anprobieren soll.
Dann wird anprobiert, und wir schauen ganz genau hin:
- Kommt das Kind überhaupt leicht in den Schuh hinein?
- Ist genug Platz an der Innensohle, sodass der Fuß in der Breite nicht eingeengt wird?
- Drückt der Schuh irgendwo im Spann?
- Sitzt die Ferse fest, oder rutscht sie beim Gehen hoch und runter?
Welche Anforderungen sollen erste Schuhe erfüllen?
Im Idealfall ist der erste Schuh ein sogenannter Minimalschuh oder Barfußschuh. Konkret heißt das: eine hauchdünne, extrem flexible Sohle, die sich mit der Hand mühelos verdrehen und knicken lässt, dazu eine breite Zehenbox, damit die Zehen sich ausbreiten und richtig abrollen können, statt eingezwängt zu werden. Das Ganze sollte möglichst wenig wiegen und sich dem Fuß anschmiegen wie eine zweite Haut, nicht wie eine Rüstung.
Kein eingebautes Fußbett, das die Fußmuskulatur faul macht, keine Sprengung – also keine erhöhte Ferse, die den natürlichen Stand verändert – und obendrauf noch natürliche, atmungsaktive Materialien, damit die kleinen Füße nicht ins Schwitzen geraten.
Kurz gesagt: So viel Barfußgefühl wie möglich, so viel Schuh wie nötig.
Kann man gebrauchte Schuhe (z. B. von älteren Geschwistern) bedenkenlos weiterverwenden?
Bedingt – und bedenkenlos wäre da definitiv das falsche Wort.
Die Grundregel lautet: Der Schuh darf nicht abgetragen oder verformt sein. Wenn die Sohle einseitig abgeschliffen ist, wenn der Schuh zertreten oder verdreht wirkt, dann hat sich dieser Schuh schon dem Laufmuster des ersten Kindes angepasst und genau das ist das Problem, wenn ein anderer Fuß jetzt hineinschlüpfen soll.
Sieht der Schuh dagegen wirklich noch wie neu aus, kann man notfalls sogar die Innensohle austauschen und ihn weitertragen. Aber selbst dann bleibt die eigentlich wichtigere Frage: Passt dieser Schuh überhaupt zum Fuß des zweiten Kindes, denn Geschwister haben oft völlig unterschiedliche Füße. In so einem Fall würde ich auch einen intakten, kaum getragenen Schuh nicht empfehlen, denn die beste Sohle nützt nichts, wenn die Passform von Anfang an nicht stimmt.
Welche Fehler passieren häufig beim Kauf der ersten Schuhe?
Der klassische Nummer-1-Fehler: Viele junge Eltern sind stilbewusst und wählen den Schuh in erster Linie nach der Optik – der Schuh muss unbedingt perfekt zum Anorak passen. Der Schuh sollte aber in allererster Linie zum Fuß passen, und erst dann zum Outfit.
Besonders tückisch wird das beim Online-Kauf: Da wird nach hübschem Bild bestellt, weil man auf einem Foto eben nicht sehen kann, wie ein Schuh wirklich sitzt – ist er im Spann zu eng, drückt er an der Ferse? Das merkt man erst, wenn das Kind die Schuhe tatsächlich anhat und auf einmal komisch oder unsicher läuft, weil sie einfach nicht passen.
Fehler Nummer zwei: Schuhe werden für Laufanfänger bewusst zu groß gekauft (auch aus ökonomischen Gründen), damit sie bis zum Frühling reichen. Genau das schadet der Fußentwicklung, statt ihr zu helfen.
Und dann ist da noch der dritte Klassiker, der oft völlig unterschätzt wird: der falsche Zeitpunkt für den Einkauf selbst. Füße schwellen im Laufe des Tages an, deshalb sollte man Kinderschuhe möglichst am Nachmittag kaufen. Wer vormittags einkaufen geht, misst tendenziell einen etwas kleineren Fuß, als das Kind ihn abends tatsächlich hat.
Genauso wichtig: Das Kind sollte zum ersten Schuhkauf weder müde noch hungrig mitgenommen werden. Ein übermüdetes oder hungriges Kind hat schlicht keine Geduld fürs Anprobieren und Herumlaufen – und aus einem eigentlich schönen Anlass wird schnell ein kleines Drama, bei dem am Ende aus reiner Verzweiflung der erstbeste Schuh gekauft wird, statt in Ruhe der wirklich passende.
Welche 3 Tipps würdest du beim Kauf der ersten Schuhe geben?
- Tipp 1: Ab ins Fachgeschäft. Dort werden die Füße wirklich vermessen, nicht nur geschätzt. Hier gibt es auch eine große Auswahl an Passformen, die man ausprobieren kann.
- Tipp 2: Immer beide Füße im Stehen messen. Viele wissen gar nicht, dass die beiden Füße eines Kindes oft unterschiedlich lang sind – gekauft wird dann natürlich nach dem größeren Fuß.
- Tipp 3: Zeichne zu Hause in Ruhe die Füße deines Kindes ab, schneide die Umrisse aus Karton aus und nimm sie mit ins Geschäft. Der Hintergrund: Es passiert immer wieder, dass gerade die Kleinen ziemlich misstrauisch auf fremde Personen reagieren und das Messen verweigern. Damit ihr trotzdem nicht umsonst ins Geschäft fahrt, können Fachberater:innen sich anhand der Karton-Abzeichnung schon grob an der Größe orientieren, passende Modelle auswählen und zum Anprobieren vorschlagen. Die Kinder sind dabei meistens deutlich entspannter und machen viel williger mit.
Über Daantje
(c) Daantje
Bei Daantje dreht sich seit vielen Jahren fast alles um kleine Füße – genauer gesagt um Kinderschuhe und ganz besonders um Barfußschuhe. Peter und sein Team beraten hier schon seit mehr als 10 Jahren Eltern und man merkt: Das ist keine Nebensache, sondern echte Herzensangelegenheit. Im Mittelpunkt steht dabei immer dasselbe: die Gesundheit und das Wohlbefinden kleiner Füße – alles andere ist zweitrangig.
Ins Regal schafft es dementsprechend nicht jede Marke, die gerade schön aussieht, sondern nur, was diesem Anspruch auch wirklich gerecht wird.
Und weil Schuhe anprobieren mit Kleinkindern bekanntlich eine eigene Kunst ist, wurde bei Daantje gleich mitgedacht: Es gibt nicht nur genug Platz, um in aller Ruhe verschiedene Modelle zu testen und ein paar Runden zu drehen, sondern auch jede Menge Ablenkung fürs Kind. Während die Eltern in Ruhe schauen und sich beraten lassen, kann der Nachwuchs nebenbei mit Zug fahren oder sich an der Kugelbahn austoben – und plötzlich ist Schuhkaufen gar nicht mehr die gefürchtete Zitterpartie, sondern fast schon ein kleiner Ausflug.









