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Mit Babys ist Ordnung schon eine Herausforderung. Doch sobald Kinder mobiler werden, selbstständig spielen, basteln, bauen und ihre eigenen Ideen entwickeln, verändert sich das Zuhause noch einmal. Plötzlich verteilen sich Bausteine, Kuscheltiere, Bücher, Bastelmaterialien und Puzzles in mehreren Räumen.

Gastbeitrag Aufraeumen Kinder Ordnung(c) Desiree Schweiger

Ordnung mit Kleinkindern und Kindern: So bleibt das Kinderzimmer alltagstauglich

Das Ziel ist nicht, dass ein Kinderzimmer immer perfekt aussieht. Kinder sollen spielen, kreativ sein und Dinge ausprobieren dürfen. Ein gutes Ordnungssystem sorgt vielmehr dafür, dass sie sich leichter zurechtfinden, selbstständiger werden und das Aufräumen nicht jedes Mal in Stress ausartet.

Ordnung mit Kindern funktioniert am besten, wenn die Systeme einfach, sichtbar und altersgerecht sind. Kinder brauchen klare Kategorien, gut erreichbare Aufbewahrung und nicht zu viele Dinge auf einmal.

Weniger Spielzeug gleichzeitig anbieten

Viele Kinder besitzen mehr Spielzeug, als sie tatsächlich bespielen können. Wenn zu viel gleichzeitig sichtbar ist, entsteht schnell Überforderung. Das Kinderzimmer wirkt unruhig, das Aufräumen dauert lange und einzelne Spielsachen verlieren ihren Reiz.

Deshalb empfehle ich, nicht alles gleichzeitig anzubieten. Eine Spielzeugrotation kann hier unglaublich hilfreich sein. Ein Teil des Spielzeugs bleibt zugänglich, der Rest wird in Boxen verstaut und nach ein paar Wochen ausgetauscht.

Oft werden Spielsachen, die eine Zeit lang weggeräumt waren, plötzlich wieder viel interessanter. Gleichzeitig bleibt der Raum übersichtlicher und Kinder können sich besser auf das konzentrieren, was gerade da ist.

Spielzeug nach Kategorien sortieren

Damit Kinder Ordnung verstehen und selbst mithelfen können, braucht jedes Spielzeug einen festen Platz. Am besten funktioniert das mit einzelnen Boxen oder Körben nach Kategorien. Zum Beispiel eine Box für Fahrzeuge, eine für Tiere, eine für Bausteine, eine für Puppenzubehör, eine für Verkleidung, eine für Musikinstrumente und eine für Kugelbahn oder Holzspielzeug.

Besonders hilfreich sind Piktogramme auf den Boxen. Kinder, die noch nicht lesen können, erkennen so trotzdem sofort, wo etwas hingehört. Das macht sie unabhängiger und erleichtert auch anderen Familienmitgliedern das Aufräumen.

Gastbeitrag Aufraeumen Kinder Ordnung Spielsachen(c) Desiree Schweiger

Aufräumen spielerisch gestalten

Aufräumen darf bei Kindern spielerisch sein. Mach das Lieblingslied an und schaut gemeinsam, ob ihr alles wegräumen könnt, bevor das Lied vorbei ist. Oder ihr sortiert nach Farben: Zuerst kommen alle roten Spielsachen zurück, dann alle blauen, dann alle grünen. Wichtig ist außerdem die Regel: Erst wird etwas weggeräumt, bevor etwas Neues herausgeholt wird. Das klappt nicht immer perfekt, aber je öfter es im Alltag geübt wird, desto selbstverständlicher wird es.

Bastelstation: kreativ, aber kontrollierbar

Basteln ist wunderbar, kann aber schnell im Chaos enden. Gerade Kleinteile, Glitzer, Kleber, Scheren, Perlen und Stifte brauchen ein klares System. Ich empfehle eine Bastelstation, die bei Bedarf herausgeholt und danach wieder weggeräumt werden kann. Das kann ein Rollwagen, eine Box mit Fächern, ein Koffer oder ein tragbarer Organizer sein. So ist alles an einem Platz, aber nicht ständig frei zugänglich.

Gerade bei Materialien wie Kleber, Glitzer, kleinen Perlen oder Scheren ist es sinnvoll, dass sie nur gemeinsam mit einem Erwachsenen verwendet werden. So bleibt Basteln sicherer und die Materialien landen nicht unkontrolliert im ganzen Zuhause.

Für häufig genutzte Dinge wie Papier, Buntstifte oder Sticker kann es eine kleine, kindgerechte Auswahl geben. Alles andere darf ruhig außer Reichweite aufbewahrt werden.

Zusätzlicher Tipp: Lege eine kleine Unterlage oder ein abwischbares Tischset zur Bastelstation. So ist der Bastelbereich schnell vorbereitet und danach auch wieder leichter sauber.

Brettspiele und Puzzles aufrecht aufbewahren

Brettspiele und Puzzles werden oft gestapelt. Das sieht im ersten Moment ordentlich aus, ist aber im Alltag unpraktisch. Wenn ein Kind das unterste Spiel möchte, wird meist der ganze Stapel herausgezogen. Besser ist es, Brettspiele und Puzzles aufrecht wie Bücher in ein Regal oder in eine Box zu stellen. So sieht man sofort, was vorhanden ist, und jedes Spiel kann einzeln entnommen werden.

Wenn die Verpackung kaputt ist oder ein Spiel sehr viel Platz einnimmt, kannst du es in eine Zipp-Tasche oder eine transparente Tasche umfüllen. Das spart Platz und ist auch praktisch für unterwegs, zum Beispiel im Urlaub, im Restaurant oder bei längeren Fahrten und hält zusätzlich alle Kleinteile sicher zusammen.

Das Bild auf der Verpackung kann einfach ausgeschnitten werden und in die Tasche gegeben werden. So sieht man auf einen Blick, um welches Spiel oder Puzzle es sich handelt.

Lego sinnvoll organisieren

Lego kann auf unterschiedliche Arten sortiert werden. Welche Lösung die beste ist, hängt stark davon ab, wie dein Kind damit spielt. Wenn dein Kind gerne Sets nach Anleitung baut, kann es sinnvoll sein, die Steine nach Set in eigenen Boxen oder Zipp-Taschen aufzubewahren. Die Anleitung kommt direkt dazu.

Wenn dein Kind lieber frei baut, kann eine Sortierung nach Farben oder nach Steinart besser funktionieren. Zum Beispiel eine Box für Figuren und Zubehör, eine für Räder, eine für besondere Teile und mehrere Boxen für klassische Bausteine.

Wichtig ist, dass die Boxen Deckel haben. So kann nichts herausfallen, die Teile stauben weniger ein und die Sammlung bleibt leichter transportierbar.

Zusätzlicher Tipp: Plane eine kleine Baufläche ein, auf der ein begonnenes Bauwerk auch einmal stehen bleiben darf. Das verhindert, dass halb fertige Projekte überall im Raum verteilt werden.

Kuscheltiere praktisch verstauen

Kuscheltiere vermehren sich in vielen Haushalten fast wie von selbst. Damit sie nicht dauerhaft Bett, Boden und Regale blockieren, brauchen auch sie einen festen Platz.

Türorganizer eignen sich dafür sehr gut. In die einzelnen Fächer können Kuscheltiere übersichtlich einsortiert werden und nehmen keinen Platz am Boden weg.

Eine weitere Möglichkeit ist ein spezieller Sitzsack, der mit Kuscheltieren gefüllt wird. So sind die Tiere verstaut und gleichzeitig entsteht eine Sitzgelegenheit im Kinderzimmer.

Wichtig ist auch hier: Nicht alle Kuscheltiere müssen gleichzeitig im Bett liegen. Eine kleine Auswahl reicht meistens völlig aus. Der Rest darf seinen festen Platz im Organizer, Korb oder Sitzsack haben.

Gastbeitrag Aufraeumen Kinder Ordnung Kleidung Bastelsachen(c) Desiree Schweiger

Kleidung für die Woche vorbereiten

Auch Kleidung kann im Familienalltag viel Zeit kosten. Besonders morgens, wenn alle losmüssen, hilft ein vorbereitetes System.

Ein Hängeorganizer mit mehreren Fächern eignet sich wunderbar, um Outfits für die Woche vorzubereiten. Pro Wochentag gibt es ein Fach. Darin liegen Hose, Shirt, Socken und Unterwäsche. Das erleichtert nicht nur den Morgen, sondern gibt Kindern auch mehr Selbstständigkeit. Sie wissen genau, welches Fach heute dran ist, und können sich leichter selbst anziehen.

Und was ist mit der Hose, die schon einmal getragen wurde, aber wie durch ein Wunder noch einmal tragbar ist? Die kann einfach in ein leeres Fach für die kommende Woche gelegt werden. So landet sie nicht auf einem Sessel oder dem Boden.

Zusätzlicher Tipp: Lass dein Kind, wenn es alt genug ist, bei der Vorbereitung der Wochenoutfits mitentscheiden. So gibt es morgens weniger Diskussionen.

Erinnerungsbox für besondere Kunstwerke

Kinder bringen oft unzählige Zeichnungen, Bastelwerke und kleine Erinnerungsstücke nach Hause. Natürlich ist vieles davon liebevoll gemacht, aber niemand möchte beim Auszug kistenweise Kinderkritzeleien mitnehmen. Deshalb lohnt es sich, von Anfang an bewusst auszuwählen. Richte eine Erinnerungsbox ein, in der nur die schönsten, persönlichsten oder bedeutungsvollsten Werke aufbewahrt werden. Zum Beispiel besondere Zeichnungen, erste Schreibversuche, Fotos von Bastelwerken oder kleine Erinnerungsstücke aus Kindergarten und Schule. Von größeren Bastelarbeiten kannst du auch ein Foto machen, statt sie dauerhaft aufzubewahren. So bleibt die Erinnerung erhalten, ohne dass sich alles in Kisten stapelt.

Zusätzlicher Tipp: Mache einmal im Jahr gemeinsam mit deinem Kind einen kleinen Erinnerungscheck. Was soll wirklich bleiben? Was darf gehen? So lernen Kinder, bewusst auszuwählen.

Regelmäßig aussortieren

Kinder entwickeln sich schnell. Was vor ein paar Monaten noch heiß geliebt wurde, kann plötzlich völlig uninteressant sein. Deshalb ist regelmäßiges Aussortieren wichtig. Gehe Spielzeug, Bücher, Kleidung und Bastelmaterialien in festen Abständen durch. Kaputte Dinge dürfen entsorgt werden. Unvollständige Spiele oder ausgetrocknete Stifte können gehen. Spielzeug, das nicht mehr zum Alter oder zu den Interessen deines Kindes passt, kann verkauft, verschenkt oder gespendet werden.

Am besten beziehst du dein Kind altersgerecht mit ein. Frage nicht: „Willst du das alles behalten?“ Dann lautet die Antwort meist ja. Besser ist: „Womit spielst du wirklich gerne?“ oder „Welche drei Dinge dürfen weiterziehen, damit ein anderes Kind Freude daran hat?“

Kleine Alltagsstationen einrichten

Kinder werden selbstständiger, wenn Dinge dort aufbewahrt werden, wo sie gebraucht werden. Eine kleine Garderobenstation mit Haken auf Kinderhöhe hilft dabei, Jacke, Rucksack und Mütze selbst wegzuräumen.

Auch eine kleine Pflege- oder Morgenstation im Bad kann sinnvoll sein. Zum Beispiel mit Haarbürste, Haargummis, Zahnbürste und Waschlappen in einem eigenen Körbchen. So wissen Kinder genau, wo ihre Dinge sind.

Je klarer die Plätze sind, desto leichter wird es für Kinder, Verantwortung für ihre eigenen Sachen zu übernehmen.

Ordnung mit Kleinkindern und Kindern bedeutet nicht, dass immer alles perfekt aufgeräumt ist. Ein Kinderzimmer darf bespielt aussehen. Wichtig ist, dass es einfache Systeme gibt, die Kinder verstehen und im Alltag mittragen können.

Klare Kategorien, gut erreichbare Boxen, Piktogramme, eine sinnvolle Spielzeugrotation und kleine Routinen machen einen großen Unterschied. Wenn jedes Ding einen festen Platz hat und nicht zu viel gleichzeitig angeboten wird, fällt das Aufräumen leichter. So entsteht ein Zuhause, in dem Kinder spielen, kreativ sein und selbstständiger werden dürfen, ohne dass das Chaos dauerhaft die Oberhand gewinnt. 


Über die Autorin

Desiree Schweiger ist seit 2019 Ordnungscoach und Gründerin von simply organized. Sie ist selbst Mutter von zwei Kindern und weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr ein gut durchdachtes Ordnungssystem den Familienalltag erleichtern kann.

Nach der Geburt ihrer Kinder wurde ihr bewusst, wie wertvoll einfache, alltagstaugliche Systeme sind. Heute unterstützt sie viele Familien und Ordnungssuchende dabei, individuelle und effiziente Ordnungssysteme zu entwickeln und umzusetzen. 

Weitere Tipps rund ums Ordnung schaffen und Ordnung halten findest du auf meiner Website www.simplyorganized.at und auf Instagram unter @simply_organized_vienna

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