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Wenn plötzlich weder Tragen noch Spielzeug helfen, kann Wasser genau die Erfahrung sein, die dein Baby und du gerade brauchen. Ein Gastbeitrag von Iris Mayr.

Gastbeitrag Wie Wasser wirkt(c) Getty Images

Der Sommer ist wunderschön – zumindest in unserer Vorstellung. Mit einem Baby kann er sich manchmal ganz anders anfühlen.

Es ist heiß. Dein Baby will am liebsten ständig auf den Arm, an die Brust oder ins Tragetuch. Kaum setzt du es ab, beginnt es zu protestieren. Also nimmst du es wieder hoch. Wenige Minuten später wiederholt sich dieselbe Situation. Irgendwann läuft dir der Schweiß den Rücken hinunter, und du merkst, wie deine Geduld weniger wird.

Für dieses Gefühl gibt es inzwischen sogar einen Begriff: overtouched. Er beschreibt das Empfinden, ständig berührt und gebraucht zu werden, bis der eigene Körper irgendwann signalisiert: Jetzt ist es genug. Ein Gefühl, über das noch viel zu wenig gesprochen wird. Denn so sehr du dein Baby liebst: Unbegrenzte Nähe geben zu können, heißt das nicht. Auch unser Nervensystem hat Grenzen.

Gastbeitrag Wasser Reset Knopf Overtouched(c) SPIELVERSPRECHEND®

So entsteht schnell ein Teufelskreis: Je unruhiger dein Baby wird, desto mehr versuchst du es durch Körperkontakt zu beruhigen. Gleichzeitig steigt deine eigene Anspannung. Deine Bewegungen werden schneller, deine Atmung flacher, und innerlich wächst der Wunsch, einfach einmal kurz die Hände frei zu haben. Diese Anspannung nimmt dein Baby wahr. Es sucht noch mehr Nähe und Sicherheit, wodurch sich die Situation häufig weiter verstärkt.

Co-Regulation bedeutet nicht, dass du dein Baby möglichst lange trägst. Sie gelingt am besten, wenn ihr beide die Chance bekommt, wieder ins Gleichgewicht zu finden. Deshalb geht es in solchen Momenten oft gar nicht darum, noch mehr zu machen. Manchmal hilft es vielmehr, die Situation zu verändern und deinem Baby eine ganz andere Erfahrung anzubieten, eine, die sein Nervensystem auf einem anderen Weg beruhigt.

Und genau da kann etwas erstaunlich Einfaches helfen: Wasser.

Wasser ist weit mehr als eine angenehme Abkühlung

Viele Babys fühlen sich von Wasser fast magisch angezogen. Das liegt nicht daran, dass Wasser besonders spektakulär wäre. Im Gegenteil: Es ist gerade seine Einfachheit, die es so faszinierend macht.

Anders als viele Spielsachen verfolgt Wasser kein Ziel. Dein Baby muss nichts richtig machen, nichts erreichen und keine Aufgabe lösen. Es darf beobachten, patschen, lauschen, fühlen oder einfach verfolgen, wie sich das Wasser verändert. Dabei entsteht kein Leistungsdruck und keine Erwartung, etwas Bestimmtes können zu müssen.

Deshalb ist Wasser für viele Babys so wertvoll: Nicht jede Beschäftigung wirkt gleich. Manche lenken nur kurz ab. Andere helfen dabei, sich selbst wieder zu regulieren.

Wasser antwortet auf jede Bewegung

Kaum taucht dein Baby seine Hand ins Wasser, passiert etwas. Es entstehen Wellen. Das Wasser spritzt, glitzert oder läuft langsam zwischen den Fingern hindurch. Jede Bewegung verändert etwas.

Diese unmittelbare Rückmeldung fasziniert Babys. Sie erleben ganz bewusst: Wenn ich etwas tue, verändert sich meine Umwelt. In der Entwicklungspsychologie sprechen wir hier von Selbstwirksamkeit, einer der wichtigsten Erfahrungen im ersten Lebensjahr. Babys entwickeln Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, weil sie erleben, dass ihr Handeln etwas bewirkt. Wasser muss man nicht erklären. Wasser beantwortet jede Bewegung deines Kindes.

Vertraut und trotzdem immer wieder neu

Babys lernen durch Wiederholung. Deshalb beobachten wir häufig, dass sie dieselbe Bewegung immer wieder ausführen. Für Erwachsene sieht das oft langweilig aus. Für ein Baby steckt in jeder Wiederholung eine neue Erfahrung.

Gerade Wasser verbindet zwei Dinge auf besondere Weise: Es bleibt immer Wasser und überrascht trotzdem bei jeder Berührung aufs Neue. Mal spritzt es bis ins Gesicht, mal bilden sich kleine Bläschen, mal fließt es langsam über die Hände oder glitzert in der Sonne. Diese Mischung aus Verlässlichkeit und Überraschung sorgt dafür, dass viele Babys lange konzentriert bei einer Sache bleiben.

Warum Wasser oft mehr verändert als nur die Stimmung deines Babys

Vielleicht kennst du das selbst: Nach einem langen Tag steigst du unter die Dusche. Du kommst nicht als anderer Mensch wieder heraus, deine Probleme sind nicht verschwunden. Und trotzdem fühlst du dich danach oft sortierter und klarer.

Dabei ist es meist nicht das Wasser allein, das diese Wirkung entfaltet. Oft ist es die Kombination aus einem kurzen Innehalten, dem bewussten Wechsel der Situation und dem fließenden Wasser: dem gleichmäßigen Strahl auf der Haut, dem Rauschen und der sanften Bewegung, die Anspannung nach und nach lösen. Genau diese Erfahrung lässt sich auch bei vielen Babys beobachten.

Gastbeitrag Wasser Reset Knopf Overtouched Fliesendes Wasser(c) SPIELVERSPRECHEND®

Diese Wirkung hat Wasser nicht nur auf Erwachsene. Es spricht gleichzeitig mehrere Sinnessysteme an: die Temperatur auf der Haut, den sanften Widerstand des Wassers, das Plätschern, das Beobachten der Bewegungen, das unmittelbare Erleben von Ursache und Wirkung. All das hilft vielen Babys, ihren hohen Erregungszustand wieder zu senken.

Natürlich ist Wasser kein Wundermittel. Es wird nicht jedes Weinen beenden. Aber es schafft häufig Bedingungen, unter denen Selbstregulation wieder leichter möglich wird.

Davon profitiert am Ende ihr beide

Während dein Baby konzentriert planscht oder fasziniert beobachtet, wie sich das Wasser bewegt, passiert oft noch etwas anderes: Du musst nicht permanent tragen. Du musst keine neue Beschäftigung erfinden und dein Baby auch nicht dauerhaft unterhalten. Vielleicht setzt du dich einfach daneben, trinkst deinen inzwischen fast vergessenen Espresso oder atmest zum ersten Mal an diesem Tag bewusst durch.

Diese wenigen Minuten verändern oft mehr, als man zunächst vermuten würde. Denn wenn dein eigener Stresspegel sinkt, kannst du dein Baby anschließend wieder gelassener begleiten. Deine Stimme wird ruhiger, deine Bewegungen werden langsamer, und genau daran kann sich dein Baby wieder orientieren. Ein zufriedenes Baby tut Eltern gut. Genauso wahr ist aber auch: Entspannte Eltern tun ihrem Baby gut. Deshalb sind Wasserspiele viel mehr als eine schöne Sommerbeschäftigung. Sie können euch beiden helfen, den Kreislauf aus Anspannung, ständigem Körperkontakt und wachsender Unruhe zu durchbrechen.

Weniger ist oft mehr

Für diesen kleinen Reset braucht es erstaunlich wenig: eine flache Schüssel oder ein Tablett, wenige Millimeter Wasser und eine vorbereitete Umgebung, in der dein Baby sicher entdecken kann. Nicht die Wassermenge macht den Unterschied, sondern die Erfahrung, die Wasser ermöglicht.

Gastbeitrag Wasser Reset Knopf(c) SPIELVERSPRECHEND®

Oder du machst den Wasserhahn an und hältst die Hände oder Füße deines Babys behutsam in den Strahl, entdeckt es genau diesen fließenden Effekt ganz unmittelbar. Nach diesem ausgiebigen Spiel ist es oft bereit für eine ruhigere Beschäftigung, etwa auf der Krabbelmatte oder mit der Wasserschüssel am Boden.

Vielleicht liegt genau darin seine besondere Kraft: Es beschäftigt dein Baby nicht einfach. Es schenkt euch beiden einen Moment, in dem ihr wieder durchatmen, euch neu sortieren und anschließend mit mehr Gelassenheit in den Alltag zurückkehren könnt.


Über die Autorin

Gastautorin Iris Mayr

Entspannte Kinder, entspannte Eltern, entspannter Alltag – so soll es sein. Genau das möchte Iris Mayr mit SPIELVERSPRECHEND® ermöglichen. Als PEKiP-Gruppenleiterin und Montessoripädagogin begleitet sie seit vielen Jahren Familien durch die ersten Lebensjahre ihres Kindes. Am meisten treibt sie an, immer weiterzulernen und ihr Wissen spielerisch weiterzugeben, mit einem unerschütterlichen Vertrauen in die Fähigkeiten von Kindern und Eltern. Du willst solche Impulse regelmäßig? Komm in ihren Newsletter.

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