Spiel & Bewegung
Warum Kinder mit Wasser oft Dinge schaffen, die ihnen an anderer Stelle noch schwerfallen
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Was du in den letzten heißen Tagen vielleicht schon bei deinem Baby beobachtet hast – und warum genau darin eine große Entwicklungschance steckt. In den letzten heißen Tagen hast du deinem Baby oder Kleinkind wahrscheinlich auch immer wieder Wasser zum Spielen angeboten. Eine Schüssel mit Wasser, ein Planschbecken, ein kleiner Eimer, ein paar Becher oder ein Schwamm viel mehr braucht es oft gar nicht. Und trotzdem entstehen daraus häufig die schönsten Spielmomente.
(c) SPIELVERSPRECHEND®
Kinder patschen, schöpfen, drücken, gießen und bleiben dabei oft erstaunlich lange bei einer Sache. Ohne großes Programm. Ohne aufwendiges Spielzeug. Einfach, weil Wasser sie immer wieder aufs Neue ins Tun bringt.
Und vielleicht hast du noch etwas beobachtet.
Dein Baby bleibt plötzlich länger in der Bauchlage, als du es erwartet hättest. Oder dein Kind war so vertieft ins Schütten, Gießen oder Ausdrücken eines Schwamms, dass es ganz vergessen hat, wie anstrengend diese Bewegungen eigentlich sind.
Genau solche Momente faszinieren mich.
Wasser bringt Kinder auf eine ganz besondere Art ins Tun.
Es hat einen so hohen Aufforderungscharakter, dass viele Kinder Dinge machen, die sie in anderen Situationen noch meiden oder bei denen sie schnell wieder aufgeben würden.
Nicht, weil sie diese Fähigkeiten über Nacht gelernt hätten, sondern weil ihre Begeisterung für das Wasser größer ist als die Anstrengung, die hinter der noch ungewohnten Bewegung steckt.
Und genau darin liegt für mich die eigentliche Stärke dieses Materials.
Genau das meine ich mit einem hohen Aufforderungscharakter. Das klingt zunächst kompliziert, bedeutet aber etwas ganz Einfaches: Kinder sehen Wasser und möchten sofort etwas damit tun. Sie wollen patschen, schöpfen, gießen, beobachten oder drücken. Nicht, weil wir ihnen eine Aufgabe gegeben haben, sondern weil das Material selbst sie dazu einlädt.
Kinder spielen nicht, um zu lernen. Sie lernen, weil sie spielen.
Stärken stärken statt Schwächen trainieren
Genau deshalb spreche ich in meiner Arbeit so oft vom Prinzip „Stärken stärken“. Das bedeutet nicht, Schwächen zu ignorieren. Es bedeutet auch nicht, Entwicklung dem Zufall zu überlassen. Es bedeutet, Kindern möglichst viele Gelegenheiten zu geben, das zu tun, was sie bereits gut können und gerne machen. Denn genau dort erleben sie:
„Ich kann das.“
Und dieses Gefühl ist unglaublich wertvoll.
Kinder, die immer wieder erleben, dass sie etwas schaffen, entwickeln Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. Und genau dieses Vertrauen gibt ihnen den Mut, sich nach und nach auch an Dinge heranzuwagen, die ihnen bisher noch schwergefallen sind.
Ich biete Wasser nicht an, damit ein Kind endlich länger in der Bauchlage bleibt, sicherer gießt oder mutiger malt. Ich biete Wasser an, weil Wasser Kinder begeistert und ihnen immer wieder kleine Erfolgserlebnisse schenkt. Alles andere darf entstehen.
Wer den Blick zuerst auf das richtet, was einem Kind noch schwerfällt, landet schnell beim Üben.
Wer den Blick auf das richtet, was ein Kind bereits kann, stärkt sein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Und aus diesem Vertrauen heraus entstehen häufig die nächsten Entwicklungsschritte fast wie von selbst.
Dieses Prinzip begleitet mich übrigens schon seit meiner Ausbildung. Damals habe ich mit blinden und sehbehinderten Kindern gearbeitet. Dort habe ich gelernt, wie kraftvoll es ist, nicht zuerst auf das zu schauen, was einem Kind schwerfällt, sondern auf das, was es bereits mitbringt. Diese Haltung prägt meine Arbeit bis heute.
Die folgenden Wasserspielideen sind bewusst einfach.
Sie sind eine Einladungen zum Beobachten. Schau nicht zuerst darauf, was dein Kind spielt. Schau darauf, wie es spielt. Vielleicht entdeckst du dabei Fähigkeiten, die dir im Alltag bisher gar nicht aufgefallen sind. Nicht mit dem Ziel, Entwicklung zu beschleunigen. Sondern als Einladung zum Entdecken. Dein Kind darf sie annehmen. Es darf sie verändern. Oder auch etwas ganz anderes daraus machen.
Denn genau darin liegt die Stärke des freien Spiels.
1. Für die Kleinsten
Schon ein kleiner Schluck Wasser auf einem flachen Tablett oder Backblech reichen völlig aus. Lege das Tablett vor dein Baby, wenn es in der Bauchlage liegt.
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Vielleicht beobachtest du zuerst gar keine Bewegung. Dein Baby schaut nur.
Es verfolgt die Lichtreflexe auf der Wasseroberfläche oder entdeckt sein Spiegelbild. Irgendwann wandert die Hand ein kleines Stück weiter nach vorne. Vielleicht berühren zuerst nur die Fingerspitzen das Wasser. Später patscht dein Baby hinein, beobachtet die Wellen oder erschrickt kurz, wenn ein Tropfen auf seinem Gesicht landet und versucht es gleich noch einmal.
Nicht, weil jemand ihm gezeigt hat, was es tun soll, sondern weil Wasser es immer wieder dazu einlädt, weiter zu entdecken.
2. Für mobile Babys und Kleinkinder
Eine Schüssel mit Wasser, zwei kleine Becher oder ein Schöpflöffel reichen oft für lange Spielphasen.
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Kinder schöpfen, gießen, schütten um und beobachten fasziniert, wie sich das Wasser verändert. Ganz nebenbei erleben sie, wie unterschiedlich sich Wasser anfühlen kann. Ein feiner Strahl aus der Gießkanne fühlt sich anders an als das Wasser aus einem Becher. Ein Tropfen auf der Hand fühlt sich anders an als Wasser, das über den ganzen Arm läuft. Und während dein Kind einfach spielt, sammelt es Erfahrungen, die ihm später beim Essen, Trinken oder Eingießen helfen können.
Nicht, weil es diese Fähigkeiten gerade übt, sondern weil sie im Spiel ganz selbstverständlich gebraucht werden. Was hier nebenbei läuft, kann in der Essenssituation, hungrig und müde, einfach zu viel sein, und dein Kind ist dankbar für deine Unterstützung.
3. Für Kinder, die gerne mit anpacken
Ein Schwamm und zwei Schüsseln mit Wasser reichen oft schon aus. Der Schwamm wird eingetaucht, getragen, ausgedrückt und wieder ins Wasser gelegt. Immer wieder. Viele Kinder vergessen dabei völlig, wie viel Kraft sie eigentlich einsetzen. Ganz nebenbei kräftigen sie ihre Hände.
Eine gute Grundlage für viele Alltagstätigkeiten, die später folgen: den Stift sicher halten, eine Zahnpastatube ausdrücken, Tischabwischen, Wäsche auswringen oder kleine Verschlüsse öffnen. Für das Kind spielt das alles keine Rolle. Es möchte einfach nur sehen, wie das Wasser wieder aus dem Schwamm herausläuft.
4. Für kleine Künstler
Ein Pinsel, etwas Wasser und ein Stein, die Terrasse oder der Gehweg. Mehr braucht es oft nicht.
Gerade Kinder, die sich auf Papier noch wenig zutrauen, erleben hier oft zum ersten Mal, wie unbeschwert Malen sein kann. Denn nichts bleibt. Es gibt keinen Fehler. Kein Blatt, das verpatzt werden kann. Die Sonne trocknet jedes Kunstwerk nach wenigen Minuten wieder weg. Und manchmal entstehen genau dort die ersten mutigen Pinselstriche.
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Mein Wunsch für dich
Beim nächsten Wasserspiel beobachte dein Kind einmal ganz bewusst. Nicht nur das fröhliche Planschen, sondern auch die kleinen Dinge, die plötzlich möglich werden. Vielleicht entdeckst du dabei Fähigkeiten, die bisher einfach auf den richtigen Moment gewartet haben, denn manchmal braucht Entwicklung keine neuen Übungen. Manchmal braucht sie einfach das richtige Material zur richtigen Zeit.
Über die Autorin

Ich bin Iris Mayr, Gründerin von SPIELVERSPRECHEND®. Seit über 30 Jahren arbeite ich mit Familien mit Babys und Kleinkindern und durfte dabei bereits mehr als 1.000 Familien auf ihrem Weg begleiten. Mein Ziel ist es, Eltern dabei zu helfen, ihr Kind besser zu verstehen. Denn aus Verständnis wächst Vertrauen – in die Fähigkeiten des eigenen Kindes und in den eigenen Weg als Familie.
Im Herbst starten wieder meine PEKiP®-, Montessori- und Online-Kurse. Wenn du keine Termine verpassen möchtest und regelmäßig alltagstaugliche Spielimpulse erhalten willst, freue ich mich, dich auch in meinem Newsletter. zu begleiten.







