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An einem Donnerstag sitzt Frau M.* in meiner Praxis und weint: „Als ich schwanger wurde, habe ich mir versprochen, nicht wie meine Mutter zu werden… Warum verhalte ich mich jetzt so? Warum bin ich genauso geworden wie meine Mutter? Das wollte ich doch nie…“

Abgesehen von ganz seltenen Ausnahmen, in denen gravierende Probleme wie Suchtproblematik, Persönlichkeitsstörungen o.ä. bestehen, wollen alle Eltern das Beste für ihr Kind.

Sie versprechen sich schon während der Schwangerschaft, nicht die Fehler ihrer eigenen Eltern zu wiederholen, bereiten sich auf die Elternschaft in bestmöglicher Art und Weise vor, lesen Bücher, gehen zu Kursen, und doch ist Frau M. mit ihren Fragen und ihrer Verzweiflung gar nicht so allein. Wie kommt es dazu?  


Wenn das Baby kein besonders schwieriges Temperament hat, überstehen die Eltern das erste Lebensjahr in der Regel gut, halten sich meistens an die Versprechen von der Schwangerschaft und sind stolz auf sich und ihr Baby. Im zweiten Lebensjahr mit den Anfängen der sogenannten Ich-Entwicklung des Babys nehmen nun die Qualität und die Quantität der Gefühle zu: Es kommen beim Baby neue Gefühle wie Stolz und Scham dazu, das Erleben von Wut, Enttäuschung oder Angst wird intensiver.

Wenn der Alltag zum Balanceakt wird

Eltern kommen immer mehr in Situationen, in denen sie als „sicherer Hafen“ die Gefühle des Kleinkindes regulieren, mit ihren eigenen Emotionen fertig werden, aber auch dem Kind Grenzen setzen müssen. Der Alltag wird zu einem Balanceakt, der immer schwieriger wird. Und irgendwann passiert’s – hier in Worten von Frau M.:

„Es war erst 8 Uhr in der Früh und ich war schon fertig mit den Kräften. Wir hatten schon zig Machtkämpfe hinter uns: Der Frühstücksteller hatte nicht die richtige Farbe – Geschrei! Die Zahnpasta schmeckte nicht, wie sie schmecken sollte – Geschrei! Die zwei Bälle, die mein Sohn unbedingt gleichzeitig halten wollte, passten nicht in seine kleine Hand – Geschrei! Und sonst noch tausende so banale Sachen! Als er sich dann nicht in den Kinderwagen setzen wollte, bin ich völlig ausgezuckt. Es war so, als wäre ein Monster aus mir rausgekommen. Ich habe ihn richtig reingedrückt in den Kinderwagen, habe ihn dabei ganz laut angeschrien, er weinte, ich weinte… Ich hatte mich gar nicht mehr richtig unter Kontrolle und bin ins Wohnzimmer gelaufen aus Angst, dass ich ihn schlagen könnte. Genauso wie meine Mutter es mit uns gemacht hat…“   

Trigger

Der oben beschriebene Verlauf kann bei Babys mit sogenanntem schwierigem Temperament bzw. bei Babys, die unter Regulationsstörungen leiden, früher oder in anderen Fällen auch später auftreten. Solche Situationen werden Trigger genannt – sie sind Auslöser einer Stressreaktion und somit heftiger Emotionen, in Frau M.s Geschichte beschwören sie das Monster in ihr. Warum reagieren Eltern manchmal so auf Trigger-Situationen? 

Es ist ein Kreislauf, der schon in der eigenen Säuglings- und Kleinkindzeit anfängt. Wir lernen als Babys von unseren eigenen Eltern, wie welche Emotionen wann zum Ausdruck kommen. Wir verinnerlichen diese sogenannten Schemata und jede Emotion wird in uns mit der jeweiligen Ausdrucksform gespeichert. Frau M. hat in ihrer eigenen Kindheit gelernt, dass auf schwierige Situationen mit einem Kind immense Wut entstehen kann und diese Wut mit psychischer und physischer Gewalt zum Ausdruck gebracht wird.

Im entspannten Zustand kann sie sehr einfühlsam und bewusst mit ihrem Kind umgehen, doch in Trigger-Situationen werden die alten Schemata aktiviert und sie kann sich kaum mehr kontrollieren. Heißt das aber nun, dass jeder Elternteil, der als Kind missbraucht wurde, auch sein eigenes Kind missbrauchen wird? NATÜRLICH NICHT!

Erster Schritt

Der wichtigste Schritt ist getan, wenn Eltern selbst erkannt haben, dass ihr Umgang mit dem Kind nicht in Ordnung ist. Viele Eltern sind völlig erschrocken, wenn sie mit ihrer eigenen Wut konfrontiert sind und sehen, wie mächtig und unkontrollierbar diese sein kann. Für die meisten ist es ein Alarmsignal dafür, dass sie nun etwas verändern müssen. Die gute Nachricht ist, allein die mentale Beschäftigung mit der Wut und die Beobachtung von den eigenen Gefühlen (in Psychologie „Introspektion“ genannt) ermächtigt uns, einen gewissen Abstand zu der Situation zu gewinnen, was wiederum die Intensität der Gefühle reduziert. Auch die Verbalisierung der aktuellen Empfindungen und deren Umformulierung zu positiven Glaubenssätzen helfen, die Krisensituation zu überstehen: „Ich spüre gerade eine sehr große Wut in mir. Ich kenne auch andere Wege, mit dieser Wut fertig zu werden, als mein Kind anzuschreien.“ Nun geht es darum, diese anderen Wege tiefer zu erforschen und dementsprechend zu reagieren, wenn die Wut kommt.  

Tipps für den Umgang mit der Wut

Vielen Eltern gelingt es, selbst Entspannungstechniken zu lernen oder ihre Gefühle in andere Tätigkeiten zu kanalisieren. Manchen helfen die gängigsten Tipps wie „einfach innehalten und bis 10 zählen“, während andere ungewöhnlichere Lösungen finden, wie Zeitungspapier zerreißen. Manche treiben mehr Sport, andere fangen an, zu meditieren. Es braucht eine gewisse Übung, bis diese „neuen“ Wege verinnerlicht sind. Was beim ersten Mal nicht oder nur schwer klappt, kann beim zehnten Mal wie selbstverständlich ausgeführt werden.  

Eigene Gefühle anerkennen

Nach diesen Schritten der Anerkennung eigener Gefühle und der Veränderung des Umgangs damit bleibt allerdings immer eines übrig: Wir sind die Kinder unserer Eltern und haben alle in uns Anteile von unseren Eltern. Wir sind so aufgewachsen, wie wir aufgewachsen sind. Das ist eine unveränderbare Tatsache. Diese zu akzeptieren und damit leben zu lernen ist manchmal der schwierigste Schritt von allen. Wenn das nicht gelingt und der Familienalltag sowie die Beziehungen darunter leiden wie am Beispiel von Frau M., dann braucht es Hilfe von außen.  


Auch bei Familien mit den sogenannten multiplen Problemlagen, in denen auch andere Belastungen wie finanzielle Probleme, psychische Erkrankungen oder vorbelastete Familienstrukturen herrschen, kann es schwierig sein, ohne professionelle Hilfe die oben beschriebenen Kreise zu durchbrechen. Eine Übersicht von Familienberatungsstellen in Österreich finden Sie auf www.familienberatung.gv.at

Ach, und was ist mit dem Monster von Frau M. passiert? „Mein Monster ist immer noch da. Es hat mir sehr viel Kraft und Zeit gekostet, bis ich akzeptiert habe, dass es da ist. Aber es ist nun viel kleiner und schwächer. Ich weiß jetzt ganz genau, wie ich es ohne zu wissen gefüttert habe und durch welche Schlupflöcher es immer rausgefunden hat. Ich füttere es nicht mehr und es hält sich in einem Tresor auf, dessen Türe nur ich persönlich aufmachen kann. Allein das Wissen, dass ich es unter Kontrolle habe und nicht umgekehrt, macht meinen Alltag um Einiges leichter…“


*Der Name und die Vorgeschichte der Klientin so stark verändert, dass eine Wiedererkennung nicht möglich ist. 

 

Über Nilgül Sahinli Mayregg

Nilgül Sahinli Mayregg ist Klinische und Gesundheitspsychologin, Notfallpsychologin, zertifizierte SFP-Trainerin, SAFE-Mentorin und HypnoBirthing-Kursleiterin.  
Geboren 1983 in Istanbul besuchte sie das österreichische Gymnasium St. Georg’s Kolleg und verlegte 2002 seinen Lebensschwerpunkt nach Wien. Sie arbeitet in freier Praxis mit schwangeren Frauen, frischen Müttern und Familien mit Kleinkindern und unterstützt diese bei allen möglichen Fragen rund um die Themen in früher Kindheit. Außerdem arbeitet sie mit Kindern und Jugendlichen bei Fragen zu Schul- und Leistungsfähigkeit, Berufsauswahl, Konzentrationsproblemen, emotionalen Auffälligkeiten u.ä. Weitere Informationen findest du auf ihrer Homepage www.ailem.at
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