Spiel & Bewegung

Ein Thema, dass uns unter den Nägeln brennt. Fernsehen. Es wird so oft verteufelt. Und damit fühlen wir uns als Rabeneltern, wenn das Kind mal etwas länger schauen darf. Aber das muss nicht sein.

Nora Imlau, Autorin vieler „Erziehungsratgeber“, findet sehr offene Worte zum Umfang mit dem Fernsehen. Denn so offen gehen viele Eltern nicht damit um, wieviel ihr Kind tatsächlich vor dem Tablet sitzt. Ganz schnell wird man als Rabenmutter:vater abgestempelt, wenn das Kind zu viel Medien konsumiert.

Die Angst ist groß, dass das Kind fernsehsüchtig wird und verblödet – ja, dass ist jetzt vielleicht etwas krass kurz zusammengefasst. Aber ja, es ist ein schwieriges Thema. Denn ist die Büchse der Pandora erstmal geöffnet, dann ist es oftmals schwer die Medienzeit zu limitieren.

Nora lenkt den Fokus weg von den möglichen Nachteilen, sondern schreibt über den Nutzen im System Familie. Wir Eltern stehen unter einem großen Druck, sind erschöpft und haben wenig Unterstützung.

Gastbeitrag Entspannter Umgang mit dem Fernsehen

Bildschirme können hier wie ein Puffer wirken“, schreibt Nora. „Sie halten die Kleinen beschäftigt und ermöglichen den Großen eine dringend benötigte Pause. Sie helfen beim Durchatmen und Runterkommen. Sie sind Gegenüber, wo das menschliche Gegenüber gerade nicht mehr kann.“

„Gerade heute hat Peppa Wutz mich davor bewahrt, meine Kleine anzuschreien.“ Kommentar einer Mutter auf Instagram.

Hinweis: Natürlich soll kein Kind stundenlang vor dem Tablet oder TV „geparkt“ werden. Ich denke, das versteht sich von selbst. Auch soll ein Baby von wenigen Wochen keinen bunten Bilder mit zig Tonquellen ausgesetzt sein. Unter „Fernsehen“ verstehen wir jede Art von Bewegtbild, egal ob am Fernseher, Tablet oder Handy.

„Verschiedene Instanzen geben Empfehlungen zum zeitlichen Begrenzen von Medienkonsum, die dazu führen, dass manche sich stolz auf die Schultern klopfen, weil sie die Werte sogar noch unterschreiten. Und viele andere sich leise schämen, weil sie nur mit sehr viel mehr Bild- schirmzeit durch den Alltag kommen.“

Nochmal: Natürlich soll kein Kind stundenlang vor irgendwelchen YouTube Videos sitzen, aber es gibt einfach Tage und Situationen, wo das die einzige Möglichkeit für eine Pause ist. Und da darf das auch mal sein – ohne schlechtes Gewissen.

Andere Tage verbringen wir ganz intensiv mit dem Kind, schenken ihm die volle Aufmerksamkeit, basteln, malen, sind im Wald unterwegs. Es gibt eben immer solche und solche Tage. Wir Eltern geben jeden Tag unser bestes, aber manchmal ist gut, gut genug. Es gibt ja den schönen Ausdruck „good enough parenting“.

Gastbeitrag Entspannter Umgang mit dem Fernsehen Freizeit

GOOD ENOUGH PARENTING

Der britische Kinderarzt und Psychotherapeut Donald Winnicot propagierte bereits in den 1950ern den Ansatz des „good enough parenting“, zu deutsch „ausreichend guten Elternseins“.

Er fand heraus, dass Eltern, die versuchen, ihr Kind „perfekt“ zu erziehen und zu versorgen, die Entwicklung ihres Kindes letztlich weniger gut fördern als Eltern, die liebevoll sind, aber auch gelassen mit eigenen Fehlern im Verhalten als Eltern umgehen. Er nimmt damit die Last von uns perfekt sein zu wollen. Das ist auch kaum schaffbar im Alltag als Eltern. Es ist damit aber auch belegt, dass wir keine Schuldgefühle haben müssen und uns schlecht fühlen müssen!

LIEBEVOLLE ELTERN BRAUCHEN EINE PAUSE

Kinder gewaltfrei und liebevoll großzuziehen, ohne Druck und Strafen, kostet sehr viel mehr Kraft als klassisches Erziehen. Moderne Medien können Eltern dabei helfen, diese Kraft zu tanken und den Alltag mit ihren Kindern zu gestalten, ohne auszubrennen.

Ja, sie können sogar handfester körperlicher Gewalt vorbeugen, weil sie manchmal wie ein Pausenknopf wirken: Bildschirm an, Kind ruhig, Raum zum Runterkommen.

Nora Imlau plädiert deshalb dafür, die richtige Menge Medienzeit nicht an Stunden und Minuten festzumachen, sondern einfach zu sagen: Richtig ist so viel, wie diese Familie gerade braucht.

KLEINKINDER UND DER RICHTIGE UMGANG MIT DEM FERNSEHER

Wir Eltern sind Vorbild. Vor allem das Tablet und Smartphone begleiten uns in unserem Alltag. Und auch die Kleinen interessieren sich dafür. Wir Eltern sind hier ganz wichtige Vorbilder. Aber besonders das bewegte Bild fesselt die Kinder. Haben sie es für sich entdeckt, möchten sie am liebsten nicht mehr aufhören.

Wir als Eltern beschäftigen uns also mit Fragen wie „Ist Fernsehen schädlich?“, „Wie lange darf mein Kinder schauen?“, „Was sind empfehlenswerte Sendungen?“.

Natürlich sollen die Kleinen die Welt mit allen Sinnen entdecken und am besten viel draußen in der Natur sein. Im Alltag lässt es sich aber nicht immer ganz vermeiden, dass die Kinder Kontakt zum TV bekommen. Wenn dem so ist, dann sollten wir einige Punkte beachten und klare Regeln für unsere Kinder zum Medienkonsum aufstellen.

KINDERPROGRAMM

Wir sollten wissen, was die Kinder schauen: Was ist mit den guten alten Zeiten von Biene Maja und Am Dam Des? Das Kinder-Programm auf den bekannten Sendern ist ziemlich fragwürdig, um nicht zu sagen schlecht – oder wie seht ihr das?!

Damit wir als Eltern wissen was die Kleinen schauen, empfiehlt es sich daher einige kindgerechte Serien anzuschaffen – entweder als DVD oder über StreamingDienste wie Netflix oder Amazon Prime. Wir haben für euch einige nette Serien gesucht, die uns und unseren Kindern gefallen. Hier geht's zu unseren liebsten Fernsehserien für Kinder

Kinder begleiten: Im Idealfall sollten wir gemeinsam mit den Kindern schauen, und mit ihnen über das Geschehen sprechen und es kommentieren. Sie sind noch nicht in der Lage so viele Eindrücke zu verarbeiten und Kinder im Kindergartenalter lernen erst noch Symbolsysteme zu entschlüsseln und zu verstehen. Kleinkindern fällt es auch noch sehr schwer zwischen Realität und Vorstellung zu trennen.

Gastbeitrag Entspannter Umgang mit dem Fernsehen Zeitbegrenzung

Wie lange dürfen Kindern fernsehen? Als grobe Orientierung gilt ein Limit der Medienzeit von 10 Minuten pro Lebensjahr am Tag, das sind ca. 20-30 Minuten bei Kleinkindern. Da Bildschirmgeräte viel Konzentration und Aufmerksamkeit abverlangen, ist dann auch die Grenze erreicht und die Kinder können sich nur schlecht konzentrieren. Mit Beginn der Volksschule können es auch schon mal 50 Minuten werden. Aber du kennst dein Kind am besten: Beobachte dein Kind und du wirst bald ein Gefühl dafür haben, wann es genug ist für dein Kind!

Weil Kleinkinder noch keine ausgeprägte Zeitvorstellung haben, ist es sinnvoll die Zeit an konkreten Ereignissen festzumachen. Also z.B. eine Folge einer Serie oder „Du kannst schauen während ich das Abendessen koche, dann machen wir den TV aus.“.

VORBILD SEIN

Wie bei so vielen Belangen sind wir auch hier ein wichtiges Vorbild. Also mach dir einmal bewusst, wie oft du in dein Smartphone schaust und stelle für dich als Elternteil „Regeln“ auf.

Insgesamt gilt es im Alltag eine Balance zu finden aus Spiel & Bewegung und eben einer „Fernsehpause“. Wir müssen uns dann nicht gleich sorgen, dass zu viel Fernsehen unsere Kinder dumm oder süchtig macht.


BUCHTIPP 

Bindung ohne Burnout - Kinder zugewandt begleiten ohne auszubrennen

Bindung ist nicht nur kuschlig und schön, sondern auch anstrengend – nah an den Eltern wie kaum eine andere Autorin spricht Nora Imlau ein Tabu an. In ihrem neuen Buch bietet sie nicht nur Lösungen für Eltern, die im Familienalltag am Limit sind, sondern auch für die Mütter und Väter, die gar nicht erst in Überforderung oder gar einen Burnout hineingeraten wollen. BELTZ Verlag, 205 Seiten, 22 €, ISBN  978-3-407-86811-4 Weitere Infos zum Buch

Meine Grenze ist dein Halt - Kindern liebevoll Stopp sachen

In ihrem Buch zeigt sie, dass Grenzen weder hart noch autoritär sein müssen und, dass sie zu wahren nicht automatisch Zwang bedeutet, sondern vor allem wohltuende Klarheit. Und zwar sowohl für die Eltern als auch für ihre Kinder. BELTZ Verlag, 194 Seiten, 20 €, ISBN 9783407867421 Weitere Infos zum Buch

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